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Wissen weitergeben vor dem Ruhestand: Was im Kopf des Chefs steckt

Wissen geben Sie vor dem Ruhestand in drei Schritten weiter: eine Wissenslandkarte erstellen, was nur Sie wissen, das wichtigste Wissen in wöchentlichen Interviews mit Ihrem Nachfolger abfragen und aufnehmen lassen, und es im Alltag übergeben, indem der Nachfolger handelt und Sie nur noch zuschauen. Planen Sie dafür zwölf bis achtzehn Monate ein.

Sie wissen, welcher Kunde am Telefon laut wird und trotzdem jedes Jahr wieder beauftragt. Sie wissen, warum die Anlage im Altbau in der Hauptstraße jeden Winter Probleme macht. Sie wissen, bei welchem Lieferanten man anrufen muss, wenn es brennt, und wer dort ans Telefon geht. Nichts davon steht irgendwo.

Das ist normal nach 30 Jahren. Für den Verkauf ist es ein Problem, denn ein Käufer kann Ihr Wissen nicht mitkaufen, wenn es nur in Ihrem Kopf steckt.

Definition

Erfahrungswissen ist Wissen, das durch jahrelange Praxis entstanden ist und meist nicht aufgeschrieben wurde: Eigenheiten von Kunden und Anlagen, Faustregeln der Kalkulation, Kontakte und Absprachen. Es geht verloren, wenn die Person geht, die es hat.

Warum Handbücher selten funktionieren

Der erste Gedanke vieler Inhaber: ein Handbuch schreiben. Nach drei Wochenenden gibt es 40 Seiten, die niemand liest. Das Problem liegt beim Format. Erfahrungswissen lässt sich schwer abstrakt aufschreiben. Es zeigt sich in konkreten Fällen: bei diesem Kunden, an dieser Anlage, in dieser Situation.

Deshalb funktioniert ein anderer Weg besser. Das Wissen wird in Gesprächen abgefragt, kurz festgehalten und im Alltag übergeben. Die Abläufe, die sich gut beschreiben lassen, gehören in eine Prozessdokumentation. Alles andere geht besser über Gespräche.

Schritt 1: Die Wissenslandkarte

Nehmen Sie sich zwei Stunden und schreiben Sie auf, was nur Sie wissen. Ordnen Sie es in fünf Bereiche:

BereichTypische BeispieleWer soll es künftig wissen
KundenEigenheiten, Absprachen, Ansprechpartner beim Kunden, GeschichteKünftiger Kundenbetreuer
Anlagen und ObjekteBaujahre, bekannte Schwachstellen, TricksMeister, Monteure
KalkulationFaustwerte, Zuschläge, AusnahmenKalkulierende Person
Lieferanten und PartnerWer liefert was im Notfall, wer ist verlässlichEinkauf, Stellvertreter
VerwaltungVerträge, Fristen, Zugänge, VersicherungenBüro, Stellvertreter

Markieren Sie jeden Eintrag mit A, B oder C. A heißt: Wenn das verloren geht, kostet es Umsatz oder Kunden. Mit den A-Punkten fangen Sie an.

Schritt 2: Wöchentliche Interviews

Einmal pro Woche, 60 Minuten, feste Zeit. Ihr Nachfolger oder Stellvertreter fragt, Sie erzählen. Ein Thema pro Termin, zum Beispiel „die zehn wichtigsten Kunden, Teil 1“.

Die Fragen, die am meisten herausholen:

  1. Was muss man bei diesem Kunden oder dieser Anlage wissen, was nirgends steht?
  2. Was ist hier schon einmal schiefgegangen, und warum?
  3. Woran merkst du, dass ein Auftrag oder Kunde Ärger macht?
  4. Wen rufst du an, wenn es brennt?
  5. Was würdest du heute anders machen?

Lassen Sie das Gespräch mit dem Handy aufnehmen. Ihr Nachfolger schreibt danach eine halbe Seite Stichpunkte in die Kundenakte oder Anlagendatei. Die Aufnahme bleibt als Rückfallebene. Das kostet Sie eine Stunde pro Woche und ist die ergiebigste Stunde in der ganzen Vorbereitung.

Schritt 3: Übergabe im Alltag

Wissen ist erst übergeben, wenn ein anderer danach handelt. Deshalb folgt auf jedes Interview die Praxis, in drei Stufen:

StufeWer macht esIhre Rolle
VormachenSieSie erklären laut, warum Sie so handeln
MitmachenBeideNachfolger übernimmt Teile, Sie ergänzen
NachmachenNachfolgerSie schauen zu und greifen nur bei groben Fehlern ein

Die dritte Stufe ist die schwierigste. Sie sehen, dass der Nachfolger es anders macht als Sie. Solange das Ergebnis stimmt, lassen Sie es laufen.

Zeitplan

ZeitraumSchwerpunkt
Monat 1Wissenslandkarte, A-Punkte festlegen
Monat 2 bis 9Wöchentliche Interviews zu A-Punkten, parallel Übergabe im Alltag
Monat 10 bis 15B-Punkte, erste Abwesenheiten von Ihnen
Monat 16 bis 18Probelauf: drei Wochen ohne Sie, Lücken nachholen

Wie Sie den Probelauf auswerten, steht unter Übergabefähigkeit testen. Wenn der Nachfolger schon feststeht, verbinden Sie die Interviews mit dem Plan unter Nachfolger einarbeiten.

Was ein Käufer davon sieht

Ein Käufer liest keine Interviewnotizen. Er sieht Ergebnisse: Kundenakten mit Notizen, die nicht von Ihnen stammen. Monteure, die Anlagen ohne Rückfrage betreuen. Ein Stellvertreter, der bei Lieferanten bekannt ist. Und er stellt im Gespräch Fragen an Ihr Team. Wenn dort die Antworten kommen, ist Ihr Wissen im Betrieb angekommen.

Merksatz

Erfahrungswissen lässt sich nicht aufschreiben wie eine Gebrauchsanweisung. Es wird erfragt, in Stichpunkten festgehalten und im Alltag übergeben, bis ein anderer danach handelt.

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Quellen

  • Eigene Methodik MAXIMAL.DIGITAL. Zeiträume sind Richtwerte.

Häufige Fragen

In drei Schritten: Wissenslandkarte erstellen, was nur Sie wissen, wöchentliche Interviews mit Aufnahme zu den wichtigsten Themen, dann Übergabe im Alltag vom Vormachen bis zum Nachmachen. Planen Sie zwölf bis achtzehn Monate ein.

Für Abläufe, die sich klar beschreiben lassen, ja. Für Erfahrungswissen zu Kunden, Anlagen und Ausnahmen selten. Dieses Wissen geht besser über Gespräche, kurze Notizen und gemeinsame Praxis.

Rund eine Stunde pro Woche für die Interviews, dazu die Zeit, in der Sie Aufgaben gemeinsam erledigen. Die gemeinsame Arbeit ersetzt nach und nach Ihre eigene, sodass die Belastung mit der Zeit sinkt.

Dann führen Sie die Interviews mit Ihrem Stellvertreter oder der Person, die die jeweiligen Aufgaben übernehmen soll. Kundenwissen geht an den künftigen Kundenbetreuer, Anlagenwissen an den Meister. Wissen im Team ist auch für jeden späteren Käufer wertvoll.

Wissen, an dem Umsatz hängt: Eigenheiten und Absprachen der wichtigsten Kunden, Kalkulationsregeln und Kenntnisse über Anlagen, die Ihr Betrieb betreut. Das sind die A-Punkte auf Ihrer Wissenslandkarte.

Ja, wenn beide einverstanden sind. Eine Aufnahme hält Details fest, die in Stichpunkten verloren gehen, etwa Namen, Zahlen und Begründungen. Sie dient als Rückfallebene. Gearbeitet wird mit den Stichpunkten in der Kundenakte oder Anlagendatei.

Indem es in Kundenakten und Anlagendateien des Betriebs steht. Achten Sie darauf, dass jede Notiz im System des Betriebs landet. Das gilt für Ihr eigenes Wissen genauso wie für das Ihrer Monteure.

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