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65 und nichts vorbereitet: was jetzt noch geht

Mit zwölf bis achtzehn Monaten Vorlauf lässt sich nicht mehr alles bewegen, aber deutlich mehr als nichts. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ergebnis liegt in dieser Lage nicht in der Anzahl der Maßnahmen, sondern in der Auswahl. Wer zehn Baustellen gleichzeitig aufmacht, schafft keine davon. Wer die zwei bis drei mit der größten Preiswirkung auswählt und konsequent durchzieht, verändert die Ausgangslage spürbar.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

65 und nichts vorbereitet — Betriebsinhaber blickt in seiner Werkstatt auf einen Wandkalender

Sie sind fünfundsechzig oder älter. Der Betrieb läuft, Sie sind gesund, aber Sie wissen, dass es so nicht ewig weitergeht. Und Sie haben in den letzten Jahren wenig bis nichts vorbereitet.

Dieser Text macht Ihnen keine Vorwürfe. Er sortiert, was mit der verbleibenden Zeit noch möglich ist.

Sie sind spät dran, aber nicht spät

Nach dem KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand waren 2025 rund 57 Prozent der mittelständischen Unternehmerschaft 55 Jahre oder älter. Vor zwanzig Jahren waren es 20 Prozent.

Das heißt: Die überwiegende Mehrheit Ihrer Altersgenossen im Mittelstand steht vor derselben Frage, und ein erheblicher Teil davon ebenfalls ohne fertige Lösung.

Gleichzeitig planen laut derselben Erhebung rund 569.000 Inhaber mit Rückzug bis Ende 2029 keine Fortführung ihres Unternehmens, gegenüber rund 545.000 mit Nachfolgewunsch. Erstmals überwiegen die Stilllegungspläne.

Ein Käufer hat in diesem Umfeld Auswahl. Deshalb kommt es darauf an, wo Ihr Betrieb im Vergleich steht, und genau das lässt sich in zwölf Monaten noch verschieben.

Was in zwölf Monaten realistisch wirkt

Diese Punkte sind erreichbar, wenn Sie sie ernsthaft angehen.

**Zahlenqualität herstellen.** Bereinigte Ergebnisse der letzten drei Jahre, saubere Trennung von betrieblich und privat, nachvollziehbare Kostenstruktur. Das ist Aufarbeitung, keine Veränderung des Betriebs, und deshalb schnell möglich. Wirkung: hoch, weil ohne prüfbare Zahlen jede Bewertung zugunsten des Käufers ausfällt. Was dazugehört, steht unter Saubere Finanzreports vor dem Verkauf.

**Die wichtigsten Kundenbeziehungen übergeben.** Nicht alle, die fünf bis zehn wichtigsten. Ein benannter Mitarbeiter wird Ansprechpartner, sitzt in den Terminen, steht im Angebot, wird beim Kunden bekannt. Wirkung: hoch, weil dies der Punkt ist, den Käufer am kritischsten prüfen.

**Kalkulationsgrundlagen aufschreiben.** Stundensätze, Aufwandswerte, Zuschläge, Entscheidungsregeln. Nicht perfekt, sondern vorhanden. Wirkung: hoch, weil die Marge sonst mit Ihnen geht.

**Wiederkehrende Leistungen in Verträge überführen.** Wenn Sie Kunden regelmäßig betreuen, warten oder prüfen, ohne dass es schriftlich vereinbart ist: nachholen. Wirkung: hoch bei überschaubarem Aufwand. Systematik unter Wiederkehrende Umsätze aufbauen.

**Anlagen- und Vertragsübersicht erstellen.** Alle Maschinen mit Baujahr und Zustand, alle laufenden Verträge mit Laufzeit und Belastung. Wirkung: mittel, aber es verändert die Verhandlungsposition, weil Sie die Liste vorlegen statt der Käufer sie zu erstellen.

**Qualifikation im Betrieb verankern.** Wo Zulassungen oder Berechtigungen an Ihrer Person hängen, prüfen, ob ein Mitarbeiter sie erwerben kann. Manche gehen in Monaten, andere brauchen Berufserfahrungszeiten. Der Anruf bei der Kammer klärt es. Wirkung: hoch, weil es den Käuferkreis vergrößert.

**Den Käuferkreis erweitern.** Wer wenig Zeit hat, sollte Interessenten priorisieren, die keine lange Einarbeitung brauchen. Ein regionaler Wettbewerber oder eine Branchengruppe kann in Monaten entscheiden, wo ein Einzelnachfolger ein Jahr Finanzierung braucht. Übersicht unter Den richtigen Käufer erkennen.

Was in zwölf Monaten nicht mehr wirkt

Ebenso wichtig, weil jede Stunde hier verlorene Zeit ist.

**Eine zweite Führungsebene von null aufbauen.** Jemanden einzustellen, einzuarbeiten und in Verantwortung zu bringen, dauert zwei Jahre und mehr. Wenn heute niemand da ist, wird das nicht mehr fertig. Was geht: einen vorhandenen Mitarbeiter mit mehr Befugnis ausstatten und das dokumentieren.

**Ein Klumpenrisiko im Kundenstamm abbauen.** Drei bis fünf Jahre. In zwölf Monaten können Sie die Bindungstiefe belegen, nicht das Risiko senken.

**Die Ertragslage strukturell verbessern.** Preisanpassungen und Kostensenkungen wirken, brauchen aber mehrere Geschäftsjahre, bis sie in bereinigten Zahlen sichtbar sind.

**Nachträglich saubere Zahlen für vergangene Jahre herstellen.** Sie können das laufende Jahr ordnen. Die drei davor sind, wie sie sind.

**Große Investitionen tätigen.** Eine neue Maschine erhöht den Kaufpreis fast nie um den investierten Betrag. Einordnung unter Wachsen vor dem Verkauf.

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Die Auswahl treffen

Nehmen Sie nicht alle sieben Punkte aus der oberen Liste. Nehmen Sie drei.

Welche, ergibt sich aus dieser Prüfung:

FrageWenn die Antwort ungünstig ist, dann Priorität
Sind die Zahlen der letzten drei Jahre prüfbar aufbereitet?Zahlenqualität
Kennen Ihre zehn wichtigsten Kunden einen Ansprechpartner außer Ihnen?Kundenbeziehungen
Könnte jemand außer Ihnen ein größeres Angebot kalkulieren?Kalkulation
Sind wiederkehrende Leistungen schriftlich vereinbart?Verträge
Hängt eine für das Leistungsspektrum nötige Zulassung an Ihnen?Qualifikation

Die ersten drei Zeilen decken bei den meisten Betrieben den größten Teil der Preiswirkung ab.

Ein realistischer Zwölfmonatsplan

MonatSchwerpunkt
1Ausgangslage erfassen: die fünf Fragen oben beantworten, drei Prioritäten festlegen
1 bis 2Steuerberatertermin: Zahlenaufbereitung beauftragen, Fragen zur Struktur klären
2 bis 4Kalkulationsgrundlagen aufschreiben, zweite Person einbeziehen
2 bis 6Die zehn wichtigsten Kunden schrittweise an einen benannten Mitarbeiter übergeben
3 bis 6Wiederkehrende Leistungen in schriftliche Vereinbarungen überführen
4 bis 6Anlagen- und Vertragsübersicht erstellen
6Zwischenprüfung: was ist erreicht, was fällt weg
6 bis 9Qualifikationsfrage klären, Kammer einbeziehen
9Zwei Wochen Abwesenheit ohne Erreichbarkeit als Test
9 bis 12Unterlagen zusammenstellen, Käuferkreis definieren, Ansprache vorbereiten

Ab Monat 12 beginnt der eigentliche Prozess, der weitere sechs bis zwölf Monate dauert.

Den Test in Monat 9 nicht überspringen. Er sagt Ihnen mehr über Ihre Verhandlungsposition als jede Bewertung. Wie Sie ihn aufsetzen, steht unter Übergabefähigkeit testen.

Die Erwartung, die sich ändern muss

Ein Punkt, der unangenehm ist und deshalb selten ausgesprochen wird.

Zwölf Monate Vorbereitung bringen Sie nicht auf das Niveau eines Betriebs, der fünf Jahre vorbereitet wurde. Der erzielbare Preis wird niedriger ausfallen als das, was Sie in einem Rechner ablesen. Nach dem KfW-Nachfolge-Monitoring lag der durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis mittelständischer Unternehmen 2025 bei rund 499.000 Euro, und über die Hälfte der Inhaber strebt höchstens 500.000 Euro an. Das ist eine Erwartung der Verkäufer, kein erzielter Preis, aber es zeigt, in welchen Größenordnungen sich der Markt bewegt.

Die realistische Zielsetzung in Ihrer Lage lautet deshalb nicht „bestmöglicher Preis“, sondern: eine Übergabe, die stattfindet, zu einem Preis, der die Vorbereitungsarbeit widerspiegelt, mit Mitarbeitern, die weiterarbeiten können.

Was das gegenüber der Alternative bedeutet, steht unter Betrieb schließen statt verkaufen.

Wenn Sie noch weniger Zeit haben

Bei sechs Monaten oder weniger reduziert sich die Liste auf drei Dinge:

  1. Unterlagen zusammenstellen, damit ein Interessent überhaupt prüfen kann
  2. Käuferkreis auf Wettbewerber und Branchengruppen konzentrieren, die schnell entscheiden
  3. Eine längere Übergangsphase anbieten, in der Sie noch mitarbeiten

Punkt 3 ist der wirksamste, weil er das Hauptrisiko des Käufers senkt. Er kostet Sie allerdings ein bis zwei weitere Jahre Mitarbeit.

Ob eine der Alternativen besser passt, klärt der Vergleich unter Betriebsverpachtung als Alternative und Wann sich ein Betrieb nicht mehr verkaufen lässt. Eine Einordnung Ihrer drei Prioritäten bekommen Sie über die kostenlose Unternehmensanalyse.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Er stellt weder Rechts- noch Steuerberatung dar. Für die Beurteilung Ihrer konkreten Situation ziehen Sie bitte Ihren Steuerberater, Ihre Steuerberaterin oder eine Rechtsanwältin beziehungsweise einen Rechtsanwalt hinzu.

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Häufige Fragen

Nein, aber die Erwartungen müssen sich anpassen. In zwölf bis achtzehn Monaten lassen sich Zahlenqualität, Kundenbeziehungen, Kalkulationsgrundlagen und Vertragsstrukturen deutlich verbessern. Nicht mehr erreichbar sind der Aufbau einer zweiten Führungsebene von null, der Abbau von Kundenklumpen und eine strukturelle Ertragsverbesserung.

Bei den meisten Betrieben drei Dinge: prüfbare Zahlen der letzten drei Jahre, die Übergabe der zehn wichtigsten Kundenbeziehungen an einen benannten Mitarbeiter und schriftlich fixierte Kalkulationsgrundlagen. Diese drei decken einen großen Teil der Preiswirkung ab und sind ohne Umbau des Betriebs erreichbar.

Nein. Wer zehn Baustellen gleichzeitig aufmacht, schließt keine davon und hat nach einem Jahr denselben Betrieb wie vorher. Wählen Sie drei Punkte aus, an denen Ihr Betrieb am schwächsten steht, und ziehen Sie diese konsequent durch.

Interessenten, die keine lange Einarbeitung brauchen und schnell entscheiden können, also regionale Wettbewerber und branchenerfahrene Gruppen. Ein einzelner Nachfolger benötigt in der Regel längere Finanzierungs- und Einarbeitungszeiten.

Bei knapper Vorbereitungszeit ist eine Übergangsphase häufig Teil der Einigung, weil sie das Risiko des Käufers senkt und damit die Bewertung verbessert. Rechnen Sie mit ein bis zwei Jahren in reduziertem Umfang. Ob Sie das wollen, sollten Sie vorher für sich klären, nicht in der Verhandlung.

Dann sind Verpachtung und geordnete Schließung die verbleibenden Wege, und beide sollten durchgerechnet werden, statt sie nur zu fühlen. Die Vorbereitungsarbeit ist dabei nicht verloren: Sie verbessert auch die Ausgangslage für eine Verpachtung und erleichtert jede Form der Abwicklung.