Bewertung & Steuern 3 Min Lesezeit

Was ist mein Unternehmen wert? Faustformeln und realistische Bewertungsmethoden

Die ehrliche Antwort vorweg: Eine zuverlässige Faustformel für den Unternehmenswert gibt es nicht. Wer die Frage "Was ist mein Unternehmen wert?" mit einer einzigen Zahl beantwortet bekommt, sollte misstrauisch werden. Realistische Bewertungen liegen immer in Bandbreiten und hängen von der Bewertungsmethode, dem Käufertyp und der Marktphase ab.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Antike Waage mit Münzen und Werkzeug — Symbolbild Unternehmensbewertung mit Faustformeln

Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Unternehmenswert steigern — dort finden Sie die Gesamtübersicht.

Die ehrliche Antwort vorweg: Eine zuverlässige Faustformel für den Unternehmenswert gibt es nicht. Wer die Frage "Was ist mein Unternehmen wert?" mit einer einzigen Zahl beantwortet bekommt, sollte misstrauisch werden. Realistische Bewertungen liegen immer in Bandbreiten und hängen von der Bewertungsmethode, dem Käufertyp und der Marktphase ab.

Trotzdem haben sich in der Praxis drei Methoden durchgesetzt, die zusammen eine belastbare Spanne ergeben: die Multiplikator-Methode, das Discounted-Cash-Flow-Verfahren und das vereinfachte Ertragswertverfahren.

Methode 1: Multiplikator-Methode (die marktnahe Faustformel)

Die mit Abstand häufigste Methode bei KMU-Transaktionen. Funktionsweise:

Unternehmenswert = nachhaltiges EBITDA x branchenüblicher Multiple

Beispiel: Ein Handwerksbetrieb mit 500.000 Euro EBITDA und einem branchenüblichen Multiple von 5,0 hat einen Enterprise Value von 2,5 Mio. Euro. Davon werden Bankschulden abgezogen, Cash hinzugerechnet, und es bleibt der Equity Value als realer Kaufpreis übrig.

Die Multiples für deutsche KMU bewegen sich grob in folgenden Bandbreiten:

  • Klassisches Handwerk: 3,0 bis 6,0
  • B2B-Dienstleistung: 4,0 bis 7,0
  • Industrie / Maschinenbau: 5,0 bis 8,0
  • IT-Dienstleistung / SaaS: 6,0 bis 12,0+
  • Gesundheitswesen / Pflege: 5,0 bis 8,0
  • Gastronomie / Hotellerie: 2,5 bis 5,0

Sie ändern sich mit Zinsumfeld und Marktphase.

Methode 2: Vereinfachtes Ertragswertverfahren

Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist die steuerliche Bewertungsmethode für die Erbschaftsteuer und wird vom Finanzamt herangezogen.

Unternehmenswert = bereinigter Jahresertrag der letzten drei Jahre x Kapitalisierungsfaktor

Der Kapitalisierungsfaktor wird jährlich vom BMF veröffentlicht. Diese Methode ergibt oft sehr hohe Werte, was im Erbfall problematisch wird, weil die Erbschaftsteuer auf einen Wert berechnet wird, den der Markt nicht zahlt.

Methode 3: Discounted Cash Flow (DCF)

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Kostenlose Einschätzung

Die theoretisch sauberste, aber datenintensivste Methode. Funktionsweise:

  1. Plan der Free Cash Flows für die nächsten fünf bis zehn Jahre
  2. Berechnung des Terminal Value (Restwert nach dem Planungszeitraum)
  3. Diskontierung aller Cash Flows auf den heutigen Stichtag mit dem WACC (Weighted Average Cost of Capital)

Der WACC liegt für mittelständische Unternehmen typischerweise zwischen 8 und 14 Prozent, abhängig vom Zinsniveau und vom branchenspezifischen Risiko.

Die DCF-Methode ist Standard bei Private-Equity-Transaktionen und bei strategischen Großdeals. Für kleinere KMU-Transaktionen wird sie oft als Plausibilisierung neben der Multiplikator-Methode genutzt.

Welche Methode liefert welchen Wert?

Ein typisches Bild bei einem mittelständischen Betrieb mit 500.000 Euro EBITDA:

  • Multiplikator-Methode (Multiple 5,0): 2,5 Mio. Euro
  • Vereinfachtes Ertragswertverfahren: 4,5 bis 6,0 Mio. Euro
  • DCF-Methode: 2,2 bis 2,8 Mio. Euro

Der Marktpreis liegt fast immer im Bereich von Multiplikator und DCF, also typischerweise 30 bis 50 Prozent unter dem vereinfachten Ertragswertverfahren. Letzteres ist eine reine Steuerbewertung, kein Verhandlungsanker.

Die häufigsten Bewertungsfehler von Inhabern

Fehler 1: Den Substanzwert mit dem Ertragswert verwechseln. Maschinen, Vorräte, Immobilien sind nicht der Unternehmenswert. Der Käufer kauft die Fähigkeit, in Zukunft Cash zu generieren. Substanzwert ist ein Untergrenze, kein Verhandlungspreis.

Fehler 2: Das EBITDA nicht normalisieren. Wer sein eigenes Geschäftsführergehalt nicht in die GuV einrechnet, wer private Aufwendungen über die Firma laufen lässt, wer einmalige Ausgaben nicht herausrechnet, präsentiert dem Käufer ein verzerrtes Bild. Ein professioneller Käufer macht die Normalisierung sowieso, der Verkäufer sollte sie selbst sauber vorbereiten.

Fehler 3: Den emotionalen Wert hochrechnen. Vierzig Jahre Lebenswerk haben einen emotionalen Wert. Der Käufer zahlt nur den ökonomischen Wert.

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Branchenspezifische Bewertungslogiken finden Sie unter Maschinenbau-Zulieferer verkaufen und IT-Systemhaus verkaufen.

Weiterlesen: was Ihr Steuerberater nicht sagt, Share Deal vs. Asset Deal. Verwandtes Thema: Inhaberabhängigkeit reduzieren. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Betrieb steht: kostenlose Unternehmensanalyse.

Häufige Fragen

Die marktnahe Faustformel ist: nachhaltiges EBITDA mal branchenüblicher Multiple ergibt den Enterprise Value. Davon Net Debt abziehen ergibt den Equity Value als Kaufpreisindikation.

Das Finanzamt nutzt für die Erbschaft- und Schenkungsteuer das vereinfachte Ertragswertverfahren nach § 199 ff. BewG. Diese Methode ergibt oft deutlich höhere Werte als der reale Marktpreis.

Der Enterprise Value ist der Unternehmenswert ohne Berücksichtigung der Finanzierungsstruktur. Der Equity Value ist der tatsächliche Kaufpreis für die Anteile, also Enterprise Value minus zinstragende Schulden plus Cash.

Ein indikatives Bewertungsgutachten kostet je nach Anbieter zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Ein vollwertiges IDW-S1-Gutachten kann je nach Komplexität fünfstellig kosten.

Es gibt online Bewertungsrechner, die einen ersten Anhaltspunkt liefern. Diese Werte sind als grobe Indikation brauchbar, ersetzen aber keine professionelle Bewertung durch einen M&A-Berater oder Wirtschaftsprüfer.