Due Diligence 8 Min Lesezeit

Change-of-Control-Klauseln in Bestandsverträgen finden und entschärfen

Eine Change-of-Control-Klausel gibt dem Vertragspartner das Recht, einen Vertrag zu beenden oder neu zu verhandeln, wenn die Eigentümer des Unternehmens wechseln. Sie steckt typischerweise in Kredit-, Miet-, Lizenz-, Liefer- und Rahmenverträgen. Wer sie erst in der Due Diligence findet, verhandelt unter Zeitdruck und aus schwacher Position.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Change-of-Control-Klausel prüfen – Vertragsordner mit Markierungen auf einem Besprechungstisch

Change of Control

Der Wechsel der Kontrolle über eine Gesellschaft, meist ausgelöst durch den Übergang der Mehrheit der Anteile auf einen neuen Eigentümer.

Change-of-Control-Klausel

Eine Vertragsbestimmung, die dem Vertragspartner für den Fall des Kontrollwechsels ein Sonderrecht einräumt, üblicherweise ein Kündigungsrecht, ein Zustimmungserfordernis oder eine sofortige Fälligstellung.

Der Satz steht selten unter dieser Überschrift. Er versteckt sich unter Vertragsdauer, unter außerordentliche Kündigung, unter Abtretung und Rechtsnachfolge, oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Vertragspartners, die dem Vertrag nur beiliegen.

Warum die Klausel beim Share Deal die größere Rolle spielt

Beim Verkauf der Gesellschaftsanteile bleibt der Vertragspartner formal derselbe. Die GmbH, die den Vertrag geschlossen hat, existiert unverändert weiter. Verträge gehen deshalb ohne Zustimmung über. Die Change-of-Control-Klausel ist genau die Ausnahme von diesem Grundsatz: Sie schafft ein Recht, das ohne sie nicht bestünde.

Beim Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter ist die Lage umgekehrt. Dort muss ohnehin jeder Vertragspartner der Übertragung zustimmen. Die Klausel ist dann weniger relevant, weil das Zustimmungserfordernis bereits aus der allgemeinen Rechtslage folgt. Der Unterschied zwischen beiden Wegen ist unter Share Deal vs Asset Deal beschrieben.

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Wo die Klauseln typischerweise stecken

VertragsartTypische AusgestaltungRisiko für den Verkauf
Kreditverträge und DarlehenSofortige Fälligstellung oder Zustimmungserfordernis der Bankhoch, weil die Finanzierung des Betriebs betroffen ist
Gewerbliche Miet- und PachtverträgeSonderkündigungsrecht des Vermieters oder Anpassungsrecht bei der Mietehoch, wenn der Standort nicht ersetzbar ist
Leasing und MietkaufZustimmungserfordernis, teils Ablösung des Restwertsmittel
Software- und LizenzverträgeLizenz ist personen- oder gesellschaftergebunden, Neulizenzierung fälligmittel, in IT-lastigen Betrieben hoch
Rahmenverträge mit GroßkundenKündigungsrecht, Informationspflicht, teils Zustimmungsvorbehalthoch bei Kundenkonzentration
Vertriebs- und HändlerverträgeZustimmungsvorbehalt des Herstellershoch, wenn die Marke das Geschäftsmodell trägt
Fördermittel und ZuschüsseBindungs- und Zweckbindungsfristen, Rückforderung bei Veräußerunghoch, weil Rückzahlung sofort fällig werden kann
VersicherungenAnzeigepflicht, Kündigungsrecht des Versicherersniedrig bis mittel
Gesellschaftsvertrag selbstVorkaufsrechte, Andienungspflichten, Zustimmung der Mitgesellschafterhoch, blockiert die Transaktion vollständig

In vier Schritten durch den Vertragsbestand

Schritt 1: Bestand erfassen. Alle laufenden Verträge in einer Liste mit Vertragspartner, Gegenstand, Laufzeit, Kündigungsfrist, Jahresvolumen und Fundort des Originals. Diese Liste ist ohnehin Teil der Due-Diligence-Unterlagen, siehe Due-Diligence-Checkliste für Verkäufer.

Schritt 2: Nach Auslösern suchen. Durchsucht werden Vertragstext und beigefügte Allgemeine Geschäftsbedingungen nach Formulierungen zu Kontrollwechsel, Gesellschafterwechsel, Beherrschung, Rechtsnachfolge, Abtretung und außerordentlicher Kündigung. Bei digital vorliegenden Verträgen geht das per Volltextsuche, bei Papierverträgen bleibt nur das Lesen.

Schritt 3: Bewerten. Zwei Fragen entscheiden über die Priorität: Wie hoch ist der Schaden, wenn der Vertragspartner das Recht ausübt? Und wie wahrscheinlich ist es, dass er es ausübt? Ein Kündigungsrecht bei einem austauschbaren Lieferanten ist nachrangig. Ein Zustimmungsvorbehalt des Herstellers bei einem markengebundenen Betrieb ist ein Dealbreaker.

Schritt 4: Handeln. Für die kritischen Fälle gibt es drei Wege, die weiter unten beschrieben sind.

Was Sie mit einer kritischen Klausel machen können

Vorab klären, ohne die Karten aufzudecken. Bei Kreditverträgen und Vermietern lässt sich die Bereitschaft häufig im Rahmen einer ohnehin anstehenden Vertragsanpassung sondieren, etwa bei einer Verlängerung oder Konditionenanpassung. Der Verkauf muss dabei nicht erwähnt werden.

Neu verhandeln, wenn ein Anlass besteht. Eine auslaufende Vertragslaufzeit ist der natürliche Zeitpunkt, um eine Klausel zu entschärfen oder eine Zustimmungsfiktion zu vereinbaren. Der Anlass muss vom laufenden Geschäft kommen, nicht vom geplanten Verkauf.

Bewusst stehen lassen und einpreisen. Nicht jede Klausel muss beseitigt werden. Wenn Sie den Fall kennen, können Sie ihn im Verkaufsprozess selbst ansprechen und mit einer Lösung vorlegen. Das ist deutlich besser, als wenn der Käufer ihn findet.

Was Sie nicht tun sollten: den Vertragspartner ohne Vorbereitung über den geplanten Verkauf informieren. Ein Vermieter, der von einem bevorstehenden Eigentümerwechsel erfährt, bevor irgendetwas entschieden ist, hat ein Jahr Zeit, seine Verhandlungsposition aufzubauen. Auch Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten gehören nicht in diese Phase. Die Frage, wann wer informiert wird, ist unter Mitarbeiter beim Verkauf schützen behandelt.

Hinweis

Dieser Beitrag erklärt Zusammenhänge und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Die Auslegung einer konkreten Klausel und die Frage, ob sie wirksam vereinbart wurde, gehört in die Hand eines Rechtsanwalts. Aus diesem Beitrag lassen sich keine Formulierungen für eigene Verträge ableiten.

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Häufige Fragen

Zwischen Unternehmen ist sie grundsätzlich zulässig. Ob sie im Einzelfall wirksam vereinbart wurde, hängt davon ab, wie sie zustande kam, ob sie in Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht und wie weit sie reicht. Das ist eine Bewertung des Einzelfalls und gehört zur rechtlichen Prüfung, nicht zur Selbsteinschätzung.

Kreditverträge enthalten häufig sowohl Informationspflichten als auch Zustimmungserfordernisse beim Kontrollwechsel. Wann die Pflicht ausgelöst wird, steht im Vertrag. Praktisch gilt: Die Bank sollte nicht die Letzte sein, die davon erfährt, denn ihre Zustimmung wird für das Closing meist ohnehin gebraucht.

Viele Klauseln nehmen Übertragungen innerhalb der Familie oder auf verbundene Unternehmen ausdrücklich aus. Ob das in Ihren Verträgen so ist, steht im Text. Wo die Ausnahme fehlt, löst auch die Schenkung an das eigene Kind den Kontrollwechsel aus.

Für einen Betrieb mit fünfzig bis hundert laufenden Verträgen sind mehrere Wochen realistisch, verteilt auf Erfassung, Durchsicht und Bewertung. Der Aufwand steigt stark, wenn Verträge nur in Papierform vorliegen oder wenn frühere Nachträge nicht bei den Originalen abgelegt sind.

Wirtschaftlich trifft das den Käufer, vertraglich trifft es häufig den Verkäufer. Käufer sichern dieses Risiko über Garantien zum Kundenbestand, über Kaufpreiseinbehalte oder über eine erfolgsabhängige Kaufpreiskomponente ab. Wie diese Komponente funktioniert, steht unter [Earn-Out-Klausel: Muster, Aufbau und Beispiele](/earn-out-klausel-muster).

Nein. Der Käufer prüft genau diese Verträge in der Due Diligence und wird auf Garantien zur Vertragslage bestehen. Wenn sich eine verschwiegene Klausel später auswirkt, greifen die Garantien und der Verkäufer haftet, teils über Jahre nach dem Verkauf.