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Malerbetrieb und Ausbaugewerke verkaufen: Was Käufer bezahlen

Maler-, Stuckateur- und Trockenbaubetriebe haben wenig Substanz und viel Personal. Der Wert entsteht deshalb fast vollständig aus zwei Dingen: einer stabilen Kolonne, die bleibt, und Auftraggebern, die regelmäßig wiederkommen. Ein Betrieb mit Rahmenverträgen bei Wohnungsbaugesellschaften und drei erfahrenen Vorarbeitern wird deutlich höher bewertet als ein umsatzgleicher Betrieb, der von Ausschreibung zu Ausschreibung lebt und dessen Chef jede Baustelle selbst aufmisst.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Malerbetrieb verkaufen — frisch gestrichenes Treppenhaus mit Abdeckung, Leiter und Farbeimern auf der Baustelle

Sie haben Fahrzeuge, Gerüst, Lager und eine Mannschaft. Was Sie beim Verkauf feststellen werden: Der Käufer interessiert sich kaum für die Substanz. Er interessiert sich dafür, ob die Leute bleiben und die Aufträge wiederkommen.

Warum Ausbaubetriebe eine eigene Bewertungslogik haben

Drei Merkmale prägen Ihre Branche.

**Geringe Kapitalbindung.** Ihre Ausstattung ist überschaubar. Ein Käufer kauft praktisch keine Substanz, sondern nur Ertrag und Organisation. Das macht die Bewertung reiner, aber auch schutzloser: Bricht der Ertrag weg, bleibt fast nichts.

**Hohe Personalintensität.** Der Lohnkostenanteil ist der größte Block in Ihrer Kalkulation. Damit entscheidet die Produktivität Ihrer Kolonnen über das Ergebnis, und die Frage, ob diese Kolonnen bleiben, entscheidet über den Kaufpreis.

**Niedrige Eintrittshürden im unteren Marktsegment.** Für einfache Leistungen gibt es viel Wettbewerb, auch aus dem Ausland und aus dem Bereich der Subunternehmerketten. Betriebe, die sich über Qualität, Spezialisierung oder feste Auftraggeber vom Preiswettbewerb lösen, werden deutlich besser bewertet.

Was den Wert Ihres Betriebs bestimmt

FaktorWirkung auf den Preis
Rahmenverträge mit Wohnungsbaugesellschaften oder VerwalternStark positiv
Wiederkehrende InstandhaltungsaufträgeStark positiv
Vorarbeiter, die Baustellen eigenständig führenStark positiv
Angestellter Meister als BetriebsleiterStark positiv
Spezialisierung (Denkmalpflege, Brandschutz, Wärmedämmung, Bodenbeschichtung)Positiv
Geringe Fluktuation in der StammmannschaftPositiv
Aufmaß und Kalkulation ausschließlich beim InhaberStark negativ
Hoher Anteil öffentlicher Ausschreibungen ohne BindungAmbivalent
Hoher Subunternehmeranteil ohne eigene KolonnenNegativ
Offene Gewährleistungsfälle aus GroßobjektenNegativ
Nachtragsmanagement dokumentiertPositiv

Für das Bauhaupt- und Baunebengewerbe, zu dem die Ausbaugewerke zählen, weist die Deutsche Unternehmerbörse für Betriebe mit weniger als 5 Millionen Euro Umsatz eine Bandbreite vom 3,8- bis 5,0-Fachen des bereinigten Ergebnisses aus. Für Betriebe zwischen 5 und 50 Millionen Euro Umsatz liegt die Spanne beim 4,4- bis 5,8-Fachen. Grundlage sind die aggregierten Markteinschätzungen von über 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum, quartalsweise aktualisiert (Quelle: Deutsche Unternehmerbörse, DUB KMU-Multiples, Stand Q2/2026, dub.de/de/kmu-multiples).

Prüfen Sie im aktuellen Quartalsreport, ob sich die Werte auf EBIT oder EBITDA beziehen. Die DUB verwendet in ihren Veröffentlichungen beide Bezugsgrößen. Bei einem personalintensiven Betrieb macht das einen erheblichen Unterschied.

Die Bandbreite gilt für die Branche, nicht für Ihren Betrieb. Wo Sie darin landen, entscheiden die Faktoren in der folgenden Tabelle. Die DUB nennt als wesentliche Einflussgrößen ausdrücklich die Inhaberabhängigkeit im Wettbewerbsvergleich und die Abhängigkeit von einzelnen Kunden.

Die vier Themen, die über den Preis entscheiden

Die Auftraggeberstruktur

Fragen Sie sich: Welcher Anteil Ihres Umsatzes kommt von Auftraggebern, die im nächsten Jahr wieder anrufen werden, ohne dass Sie ein Angebot gewinnen müssen?

Wohnungsbaugesellschaften, kommunale Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen, Facility-Dienstleister und Industriebetriebe mit laufendem Instandhaltungsbedarf sind in Ihrer Branche das, was Wartungsverträge im SHK-Handwerk sind: planbarer Umsatz mit geringem Akquiseaufwand.

Reines Ausschreibungsgeschäft ist das Gegenteil. Es zeigt, dass Sie kalkulieren können, aber es sagt nichts über nächstes Jahr. Ein Käufer bewertet das entsprechend.

Wo Sie heute überwiegend im Ausschreibungsgeschäft sind, ist der Aufbau von zwei bis drei festen Auftraggebern das lohnendste Projekt der nächsten zwei Jahre.

Die Kolonnen

Ein Ausbaubetrieb ist seine Mannschaft. Ein Käufer stellt deshalb Fragen, auf die Sie Zahlen haben sollten: Wie viele Mitarbeiter sind länger als fünf Jahre da? Wie hoch war die Fluktuation der letzten drei Jahre? Wie viele Vorarbeiter führen eine Baustelle vollständig eigenständig, inklusive Materialdisposition und Abnahme?

Der dritte Punkt ist der wertvollste. Ein Vorarbeiter, der die Baustelle allein führt, ersetzt einen Teil dessen, was heute Sie leisten. Zwei oder drei solche Leute sind der Unterschied zwischen einem verkäuflichen und einem unverkäuflichen Betrieb.

Wie sich diese Ebene aufbauen lässt, steht unter Zweite Führungsebene aufbauen.

Aufmaß, Kalkulation und Nachträge

In vielen Malerbetrieben macht der Chef das Aufmaß, kalkuliert das Angebot und verhandelt die Nachträge. Er weiß, welcher Auftraggeber wie prüft und wo man Zeit verliert.

Für den Käufer ist das die kritischste Stelle, weil hier die Marge entsteht. Was Sie brauchen:

  • Kalkulationsgrundlagen schriftlich: Stundenverrechnungssätze, Aufwandswerte je Leistung, Zuschläge für Gerüst, Anfahrt, Erschwernisse
  • Nachkalkulation je Objekt mit Soll-Ist-Vergleich der Stunden
  • Mindestens eine zweite Person, die selbstständig aufmisst und kalkuliert
  • Dokumentiertes Nachtragsmanagement mit Fotos und schriftlicher Anzeige

Das ist der Punkt mit der größten Preiswirkung in Ihrer Branche und in zwölf bis achtzehn Monaten machbar. Der Rahmen dazu steht unter Prozessdokumentation für inhabergeführte Betriebe.

Die Meisterfrage

Das Maler- und Lackiererhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Für die Eintragung in die Handwerksrolle braucht der Betrieb einen Meister oder einen entsprechend qualifizierten Betriebsleiter. Für Stuckateure und weitere Ausbaugewerke gelten je nach Gewerk eigene Regelungen.

[Nicht verifiziert] Die genaue Zuordnung der einzelnen Ausbaugewerke zu Anlage A oder B der Handwerksordnung und die Voraussetzungen der Betriebsleiterregelung sollten Sie gegen den aktuellen Stand und eine Auskunft Ihrer Handwerkskammer prüfen.

Solange dieser Meister Sie sind, hängt die Zulassung des Betriebs an Ihnen. Ein angestellter Meister als Betriebsleiter löst das dauerhaft und erweitert Ihren Käuferkreis erheblich, weil auch Käufer ohne eigenen Meisterbrief kaufen können.

Wer Maler- und Ausbaubetriebe kauft

**Der regionale Wettbewerber.** Sucht Kolonnen und Auftraggeber. Häufigster Käufertyp, kennt den Markt, entscheidet schnell.

**Der größere Ausbau- oder Bauunternehmer.** Will Gewerke ins eigene Haus holen, um bei Generalübernahmen unabhängiger von Nachunternehmern zu werden.

**Der Facility- oder Instandhaltungsdienstleister.** Interessant, wenn Sie Rahmenverträge in der Wohnungswirtschaft haben. Diese Verträge sind für ihn der eigentliche Kaufgegenstand.

**Der MBI-Kandidat.** Ein Malermeister, der sich selbstständig machen will. Finanziell oft machbar, weil die Kaufpreise in dieser Branche moderat sind und wenig Kapitalbedarf für Substanz besteht.

**Der eigene Vorarbeiter oder Betriebsleiter (MBO).** In dieser Branche häufig und meistens die beste Lösung für die Belegschaft. Finanzierung über gestaffelte Zahlung.

Eine strukturierte Gegenüberstellung finden Sie unter Den richtigen Käufer erkennen.

Die typischen Fehler

**Der Umsatz wird als Wertmaßstab genommen.** In einer Branche mit dünnen Margen sagt der Umsatz besonders wenig aus. Zwei Millionen Umsatz mit vier Prozent Rendite sind weniger wert als eine Million mit zwölf Prozent.

**Gewährleistung wird verdrängt.** Offene Mängelanzeigen aus Großobjekten kommen in jeder Prüfung ans Licht.

**Subunternehmereinsatz wird nicht sauber dargestellt.** Wenn ein erheblicher Teil Ihrer Leistung von Nachunternehmern erbracht wird, prüft der Käufer die vertragliche Gestaltung und die Frage der Scheinselbstständigkeit. Lassen Sie das vorher fachlich prüfen.

**Der Chef bleibt bis zum letzten Tag auf jeder Baustelle.** Der häufigste Grund, warum Ausbaubetriebe am Ende nur zum Substanzwert weggehen.

Ihr Fahrplan für die nächsten achtzehn Monate

ZeitraumAufgabe
Monat 1 bis 2Umsatzanteil wiederkehrender Auftraggeber ermitteln
Monat 1 bis 3Kalkulationsgrundlagen und Aufwandswerte schriftlich fixieren
Monat 2 bis 6Gewährleistungsfälle sichten und abarbeiten
Monat 3 bis 12Zweite Person für Aufmaß und Kalkulation aufbauen
Monat 4 bis 12Angestellten Meister als Betriebsleiter etablieren
Monat 6 bis 18Zwei bis drei feste Auftraggeber mit Rahmenvereinbarung gewinnen
Monat 6 bis 18Vorarbeiter mit voller Baustellenverantwortung aufbauen
Monat 15 bis 18Drei Wochen Abwesenheit ohne Erreichbarkeit als Test

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Häufige Fragen

Der Wert bemisst sich am bereinigten Betriebsergebnis multipliziert mit einem Faktor, der in dieser Branche eher am unteren Ende der Handwerksspanne liegt, weil kaum Substanz vorhanden ist. Den Faktor bewegen vor allem die Stabilität der Mannschaft, der Anteil wiederkehrender Auftraggeber und die Frage, ob Aufmaß und Kalkulation ohne den Inhaber funktionieren.

Sehr wichtig. Sie sind in Ihrer Branche das Gegenstück zu Wartungsverträgen im technischen Handwerk: planbarer Umsatz mit geringem Akquiseaufwand. Betriebe mit zwei bis drei solchen Auftraggebern werden deutlich höher bewertet als Betriebe, die ausschließlich über Ausschreibungen arbeiten.

Ja, aber nur an Käufer, die selbst einen Meister mitbringen oder einen anstellen können. Das verkleinert den Käuferkreis und drückt den Preis. Ein angestellter Meister als Betriebsleiter, aufgebaut über zwölf bis achtzehn Monate, löst das Problem dauerhaft.

Bei einem Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB mit allen Rechten und Pflichten auf den Erwerber über. Kündigungen wegen des Übergangs selbst sind unwirksam. In einer personalintensiven Branche ist die Belegschaft für den Käufer ohnehin der Hauptkaufgrund.

Legen Sie den Anteil offen und stellen Sie die Vertragsgestaltung sauber dar. Käufer prüfen bei hohem Nachunternehmeranteil die Themen Haftung, Mindestlohnnachweise und Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit. Lassen Sie das vor dem Verkaufsprozess fachlich prüfen, damit es nicht in der Verhandlung zum Preisargument wird.

Zwölf bis achtzehn Monate sind realistisch für Kalkulation, Betriebsleiter und Vorarbeiterebene. Wenn Sie zusätzlich die Auftraggeberstruktur verändern wollen, rechnen Sie mit vierundzwanzig Monaten. Der Verkaufsprozess selbst dauert danach sechs bis zwölf Monate.