Due Diligence 10 Min Lesezeit

Due-Diligence-Checkliste für Verkäufer: Was zwölf Monate vorher fertig sein muss

Die Due Diligence ist die Unterlagenprüfung des Käufers vor dem Kaufvertrag. Verkäufer sollten zwölf Monate vorher beginnen, weil ein Teil der geforderten Unterlagen erst erstellt werden muss und Lücken in Verträgen, Buchhaltung und Dokumentation nicht kurzfristig zu schließen sind. Wer erst startet, wenn der Käufer fragt, verhandelt aus der Defensive.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Due-Diligence-Checkliste Verkäufer – Ordner mit Unternehmensunterlagen auf einem Schreibtisch im Mittelstandsbetrieb

Due Diligence

Die strukturierte Prüfung eines Unternehmens durch den Kaufinteressenten, bevor ein Kaufvertrag geschlossen wird. Geprüft werden Zahlen, Verträge, Personal, Technik und rechtliche Risiken.

Die meisten Inhaber erleben die Due Diligence als Überfall. Ein Käufer schickt eine Anforderungsliste mit 150 bis 400 Positionen, gestaffelt nach Prüfbereichen, mit Fristen von zwei bis vier Wochen. Was dann sichtbar wird, ist selten neu. Es war vorher nur nie an einem Ort zusammengestellt.

Warum die Vorbereitung zwölf Monate braucht

Die Anforderungsliste selbst lässt sich in vier Wochen abarbeiten, wenn alles vorhanden ist. Das Problem sind die Positionen, für die das nicht gilt.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Käufer fordert die letzten drei Jahresabschlüsse plus eine unterjährige betriebswirtschaftliche Auswertung mit Vorjahresvergleich. Wenn die Buchhaltung bisher nur zum Jahresabschluss vollständig war und die monatliche Auswertung Rückstellungen, Abgrenzungen und Bestandsveränderungen nicht enthält, dann ist die unterjährige Zahl nicht belastbar. Der Käufer merkt das sofort. Die Korrektur dauert nicht zwei Wochen, sondern einen kompletten Jahreszyklus, weil erst ein sauberes Vergleichsjahr entstehen muss.

Dasselbe Muster gilt für Arbeitsverträge ohne Schriftform, für mündliche Kundenvereinbarungen, für fehlende Lizenznachweise bei Software und für Betriebsgenehmigungen, die auf den Inhaber persönlich lauten. Jede dieser Lücken ist reparabel. Keine davon ist in vier Wochen reparabel.

Vendor Due Diligence

Eine vom Verkäufer vorab beauftragte Prüfung des eigenen Unternehmens, deren Ergebnis den Kaufinteressenten zur Verfügung gestellt wird. Im gehobenen Mittelstand üblich, bei kleineren Transaktionen selten wegen der Kosten.

Die sechs Prüfbereiche

PrüfbereichWas der Käufer beantwortet haben willTypischer Umfang
FinancialSind die ausgewiesenen Erträge wiederholbar und bereinigt?40 bis 80 Positionen
LegalBestehen Verträge nach dem Eigentümerwechsel unverändert fort?30 bis 70 Positionen
TaxDrohen Nachzahlungen aus offenen Veranlagungszeiträumen?15 bis 30 Positionen
CommercialIst der Umsatz breit genug verteilt und der Markt stabil?20 bis 40 Positionen
HRBleiben die Menschen, an denen das Geschäft hängt?20 bis 40 Positionen
Technisch und ITSteht Investitionsbedarf an, der nicht in der Bilanz sichtbar ist?15 bis 40 Positionen

Bei Betrieben mit Grundbesitz oder Produktion kommt eine Umweltprüfung dazu, die Altlasten, Genehmigungen nach Bundes-Immissionsschutzgesetz und Entsorgungsnachweise abfragt.

Zwölf Monate vorher: die Grundlagen

Der Zeitpunkt ist bewusst früh gewählt. Alles in dieser Stufe wirkt nur, wenn danach mindestens ein vollständiges Geschäftsjahr vergeht.

BereichWas fertig sein mussWarum jetzt
BuchhaltungMonatliche Auswertung mit Abgrenzungen, Rückstellungen und BestandsveränderungenDer Käufer braucht ein vollständiges Vergleichsjahr in dieser Qualität
KostenrechnungDeckungsbeitrag je Kunde und je AuftragsartGrundlage für die Bewertung der Ertragsqualität
GesellschaftsvertragAktuelle Fassung, Gesellschafterliste im Handelsregister stimmtAbweichungen blockieren später den Notartermin
PrivatanteilePrivate Kosten im Betrieb identifiziert und dokumentiertBereinigung wirkt nur, wenn sie nachvollziehbar belegt ist
ArbeitsverträgeSchriftform für alle Mitarbeiter, Nachträge dokumentiertFehlende Schriftform ist im Nachhinein nur mit Zustimmung heilbar
GenehmigungenBetriebsgenehmigungen und Eintragungen auf die Gesellschaft, nicht auf die PersonPersonengebundene Erlaubnisse gehen beim Verkauf nicht über

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Sechs Monate vorher: die Unterlagen

In dieser Stufe wird gesammelt und geordnet. Der Aufwand ist hoch, die inhaltliche Arbeit ist es nicht mehr.

Finanzen

  • Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre inklusive Anhang und Prüfbericht
  • Summen- und Saldenlisten der letzten drei Jahre
  • Aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung mit Vorjahresvergleich
  • Offene-Posten-Listen Debitoren und Kreditoren mit Fälligkeitsstruktur
  • Kreditverträge, Sicherheitenverzeichnis, Leasing- und Mietkaufverträge
  • Investitionsplanung der nächsten drei Jahre

Verträge

  • Die zwanzig umsatzstärksten Kundenverträge im Volltext
  • Rahmenverträge mit Lieferanten
  • Miet- und Pachtverträge inklusive Nachträge
  • Versicherungspolicen mit Deckungssummen
  • Lizenz- und Wartungsverträge für Software und Maschinen

Personal

  • Anonymisierte Mitarbeiterliste mit Eintrittsdatum, Funktion, Vergütung, Kündigungsfrist
  • Arbeitsverträge der Führungskräfte im Volltext
  • Betriebsvereinbarungen, Zusagen zur betrieblichen Altersversorgung
  • Übersicht Urlaubs- und Überstundenrückstellungen

Betrieb und Technik

  • Anlagenverzeichnis mit Anschaffungsjahr und Zustand
  • Wartungshistorie der wesentlichen Maschinen
  • IT-Landschaft mit Systemen, Lizenzen und Verantwortlichkeiten
  • Dokumentation der Kernprozesse

Drei Monate vorher: Datenraum und Vollständigkeitsprüfung

Jetzt wandern die Unterlagen in einen strukturierten Datenraum mit Dokumentenindex. Vorher geht ein Dritter die Sammlung durch und stellt die Fragen, die ein Käufer stellen würde. Das ist unangenehm und spart später Kaufpreis.

Die häufigsten Funde in dieser Phase: Verträge, die auf eine nicht mehr existierende Firmierung lauten. Sicherungsübereignungen, die nach Kredittilgung nie gelöscht wurden. Kundenaufträge, die formal noch beim Inhaber persönlich liegen. Nichts davon verhindert einen Verkauf. Jedes davon kostet Verhandlungsposition, wenn es der Käufer zuerst findet.

Beispiel: Wie eine Lücke im Kaufpreis landet

Ein Metallbaubetrieb mit 4,2 Millionen Euro Umsatz verkauft an einen strategischen Käufer. In der Prüfung fällt auf, dass für Urlaub und Überstunden keine Rückstellung gebildet wurde. Der Käufer rechnet nach: 31 Mitarbeiter, im Schnitt 9 Resturlaubstage und 22 Überstunden zum Stichtag.

PositionRechnungBetrag
Resturlaub31 Mitarbeiter x 9 Tage x 290 Euro Tagessatz80.910 Euro
Überstunden31 Mitarbeiter x 22 Stunden x 38 Euro25.916 Euro
Summerund 107.000 Euro

Der Käufer behandelt diese Summe als schuldenähnliche Position und zieht sie vom Kaufpreis ab. Wäre die Rückstellung von Anfang an gebildet worden, hätte sie das ausgewiesene Ergebnis der Vorjahre gemindert und wäre in der Bereinigung als bekannte Größe eingepreist worden. Der Betrag wäre derselbe, die Wirkung eine andere: eine bekannte Position wird verhandelt, eine entdeckte Position wird abgezogen.

Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und beruhen auf angenommenen Werten.

Wer im Betrieb was macht

Die Due Diligence bindet Kapazität, die im Tagesgeschäft fehlt. Wenn Umsatz und Ergebnis während der Prüfung einbrechen, sinkt der Kaufpreis genau in der Phase, in der er verhandelt wird. Die Verteilung sollte deshalb vor Beginn feststehen.

RolleAufgabeZeitaufwand über die Prüfung
InhaberGespräche mit dem Käufer, Entscheidungen, Erläuterung des Geschäftsmodells3 bis 5 Stunden pro Woche, nicht mehr
Buchhaltung oder SteuerberaterZahlenlieferung, Abstimmungen, Rückfragen zu Finanzen und SteuernHauptlast, mehrere Tage pro Woche
Sekretariat oder AssistenzDokumente beschaffen, benennen, hochladen, Index pflegenHauptlast in den ersten Wochen
Zweite FührungsebeneFragen zu Betrieb, Technik und Personal beantwortenpunktuell
Externe BegleitungVollständigkeitsprüfung, Priorisierung, Vorbereitung der Antwortenüber den gesamten Zeitraum

Der Punkt, an dem es regelmäßig kippt: Es gibt keine zweite Führungsebene, die Fragen beantworten kann, und der Inhaber macht alles selbst. Damit wird die Due Diligence selbst zum Beleg für die Abhängigkeit, die der Käufer gerade bewertet. Der Zusammenhang steht unter Bewertungsabschlag bei Inhaberabhängigkeit.

Die drei Fehler, die am meisten Geld kosten

Erstens: Lücken schönreden. Ein Käufer, der eine Unstimmigkeit entdeckt, hört danach jede Antwort mit anderen Ohren. Der Vertrauensverlust kostet mehr als der Sachverhalt. Offen benannte Schwächen werden im Preis eingepreist, entdeckte Schwächen werden im Preis bestraft.

Zweitens: alles selbst machen. Die Due Diligence trifft den Inhaber in einer Phase, in der der Betrieb weiterlaufen muss. Wenn Umsatz und Ergebnis während der Prüfung einbrechen, weil der Chef in Datenräumen sitzt, sinkt der Kaufpreis genau dann, wenn er verhandelt wird.

Drittens: zu spät anfangen. Der Zeitpunkt für die Vorbereitung ist nicht der Moment, in dem ein Käufer auftaucht. Er liegt ein bis zwei Jahre davor. Wie das in einen Gesamtzeitplan passt, steht unter Wann mit der Exit-Vorbereitung beginnen.

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Häufige Fragen

Vom Versand der Anforderungsliste bis zum Abschlussbericht vergehen bei Betrieben dieser Größenordnung üblicherweise vier bis zehn Wochen. Die Spanne hängt weniger von der Betriebsgröße ab als von der Vollständigkeit der Unterlagen. Gut vorbereitete Verkäufer liegen am unteren Rand, weil Rückfragen entfallen.

Der Käufer trägt die Kosten seiner eigenen Prüfer. Der Verkäufer trägt die Kosten der Aufbereitung auf seiner Seite, also Steuerberater, Datenraum und gegebenenfalls Rechtsberatung. Bei einer Vendor Due Diligence, die der Verkäufer selbst beauftragt, liegt der gesamte Prüfaufwand beim Verkäufer.

Nein. Die Freigabe erfolgt gestaffelt und erst nach unterzeichneter Vertraulichkeitsvereinbarung. Besonders sensible Inhalte wie Kundennamen, Kalkulationen und Personaldaten kommen erst in einer späteren Phase und in geschwärzter oder aggregierter Form. Personenbezogene Daten unterliegen dabei der Datenschutz-Grundverordnung.

Der Käufer reagiert typischerweise auf drei Wegen: Kaufpreisminderung, Garantie- oder Freistellungsklausel im Vertrag, oder Kaufpreiseinbehalt bis zur Klärung. Ein Abbruch kommt vor, wenn ein Befund den Geschäftsbetrieb selbst infrage stellt, etwa eine fehlende Betriebsgenehmigung oder ein existenzieller Rechtsstreit.

Die Sammlung der Unterlagen können Sie selbst organisieren. Die Beurteilung, was ein Befund im Kaufvertrag auslöst, gehört zu Steuerberater und Rechtsanwalt. Die kritische Größe ist Ihre eigene Zeit: Wenn die Prüfung Ihre operative Arbeit blockiert, leidet das Ergebnis, das gerade bewertet wird.

Auch bei Umsätzen unter einer Million Euro prüfen Käufer, nur mit kürzeren Listen. Der Unterschied liegt im Aufwand, nicht im Ob. Strategische Käufer und Finanzinvestoren prüfen umfangreicher als ein Mitarbeiter, der im Rahmen eines Management Buy-Out übernimmt und den Betrieb bereits kennt.