Due Diligence 9 Min Lesezeit

Due Diligence im Mittelstand: die zehn häufigsten Red Flags

Ein Red Flag ist ein Befund, der die Bewertung des gesamten Unternehmens infrage stellt, nicht nur eine Position im Kaufpreis verschiebt. Im Mittelstand entstehen die meisten Red Flags nicht aus Absicht, sondern aus gewachsenen Strukturen: Inhaberabhängigkeit, Kundenkonzentration, ungeregelte Verhältnisse zu nahestehenden Personen und Lücken in Genehmigungen.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Due Diligence Red Flags – rot markierte Stelle in einem ausgedruckten Prüfbericht

Red Flag

Ein Prüfungsbefund, der über die Bewertung einer einzelnen Position hinausgeht und die Grundannahmen des Käufers zum Unternehmen infrage stellt.

Der Unterschied zwischen einem normalen Befund und einem Red Flag liegt in der Reichweite. Eine fehlende Urlaubsrückstellung ist ein Befund: bezifferbar, verhandelbar, erledigt. Ein Kunde mit fünfzig Prozent Umsatzanteil und einem Vertrag, der jährlich kündbar ist, ist ein Red Flag: Er verändert die Frage, ob der Betrieb in drei Jahren noch derselbe ist.

Die zehn Befunde, die Käufer am häufigsten stoppen

#Red FlagWarum er wiegtTypische Reaktion des Käufers
1Der Inhaber ist der BetriebNach der Übergabe bricht das Geschäft wegAbschlag, Earn-Out, lange Bindung des Verkäufers
2Ein Kunde über dreißig Prozent UmsatzDer Verlust eines Kunden ist existenziellAbschlag, Garantie zum Kundenbestand
3Genehmigung oder Erlaubnis lautet auf die PersonSie geht beim Verkauf nicht mit überAbbruch, bis die Umschreibung geklärt ist
4Zahlen unterjährig nicht belastbarJede Aussage zum laufenden Jahr wird wertlosPrüfung ausweiten, Vertrauen sinkt dauerhaft
5Ungeregelte Verhältnisse zu nahestehenden PersonenMiete, Darlehen und Gehälter verzerren das ErgebnisBereinigung nach unten, steuerliche Nachfragen
6Offene Betriebsprüfung oder Rechtsstreit mit unklarem AusgangDas Risiko lässt sich nicht beziffernKaufpreiseinbehalt, Freistellung, teils Abbruch
7Fehlende Rückdeckung bei VersorgungszusagenVerpflichtung ohne Gegenwert in der BilanzAbzug in voller Höhe der Unterdeckung
8Investitionsstau bei Maschinen und GebäudenDer ausgewiesene Gewinn ist geliehenAbschlag in Höhe des Nachholbedarfs
9Change-of-Control-Klauseln in tragenden VerträgenDer Käufer erwirbt eine Struktur, die kündbar istZustimmung vor Closing verlangt, Zeitplanrisiko
10Widersprüche zwischen Aussage und UnterlageAlles Weitere wird misstrauisch geprüftPrüfumfang steigt, Preisdruck steigt, teils Abbruch

Sie wollen wissen, wo Ihr Betrieb in dieser Frage konkret steht? Kostenlose und unverbindliche Einschätzung — ohne Verkaufsdruck und ohne Provision.

Kostenlose Einschätzung

Die drei schwersten Fälle im Detail

Personengebundene Erlaubnisse. In reglementierten Gewerken hängt die Erlaubnis zum Betrieb an einer natürlichen Person mit bestimmter Qualifikation. Wenn diese Person der verkaufende Inhaber ist und keine gleichwertig qualifizierte Person im Betrieb bleibt, kann der Käufer den Betrieb nach dem Erwerb nicht fortführen. Das ist kein Preisthema. Der Käufer springt ab oder verlangt eine Lösung, die Jahre braucht.

Widersprüche zwischen Aussage und Unterlage. Der teuerste Red Flag ist selten der größte. Ein Inhaber sagt, drei Mitarbeiter hätten Firmenwagen, im Anlagenverzeichnis stehen fünf. Sachlich ist das nichts. Für den Prüfer ist es der Moment, in dem er jede weitere Angabe gegenprüft. Der Prüfumfang steigt, die Prüfung dauert länger, und jede weitere Ungenauigkeit wiegt schwerer als die erste.

Investitionsstau. Ein Betrieb, der seit sechs Jahren nicht mehr in Maschinen investiert hat, zeigt einen Gewinn, der zu einem Teil aus unterlassener Instandhaltung stammt. Der Käufer rechnet den Nachholbedarf und zieht ihn ab, häufig in voller Höhe und zusätzlich zur Bereinigung des Ergebnisses um zu niedrige Abschreibungen. Das trifft besonders Betriebe, die in den letzten Jahren vor dem geplanten Verkauf bewusst gespart haben, um die Zahlen zu verbessern.

Warum Red Flags im Mittelstand entstehen

Keiner dieser Punkte entsteht aus Nachlässigkeit. Sie entstehen daraus, dass ein Betrieb über dreißig Jahre für den laufenden Betrieb optimiert wurde und nie für einen Eigentümerwechsel.

Ein Inhaber, der alle Kundenbeziehungen persönlich hält, war jahrzehntelang effizienter als jede Struktur. Eine Miete an die eigene Besitzgesellschaft, die nie schriftlich fixiert wurde, hat nie jemanden gestört. Ein Kunde, der auf fünfzig Prozent gewachsen ist, war die beste Entscheidung des Jahrzehnts. Der Verkauf dreht die Vorzeichen aller drei Punkte um.

Was Sie tun, wenn Sie einen Red Flag bei sich finden

Zuerst beziffern. Was kostet die Beseitigung, was kostet das Belassen? Bei Punkt 2 auf der Liste kann die Antwort lauten, dass die Reduzierung der Kundenkonzentration drei Jahre dauert und in dieser Zeit Umsatz kostet. Dann ist Belassen und Einpreisen die bessere Entscheidung.

Dann entscheiden zwischen beseitigen und offenlegen. Beseitigen ist bei Punkt 3, 4, 5 und 9 fast immer richtig und in ein bis zwei Jahren machbar. Bei Punkt 1, 2 und 8 hängt es vom Zeitbudget ab.

Nie: darauf hoffen, dass es nicht auffällt. Alle zehn Punkte fallen auf. Sie stehen auf jeder Anforderungsliste, die ein professioneller Prüfer verwendet. Der einzige Freiheitsgrad, den ein Verkäufer hat, ist die Frage, ob er den Befund selbst vorlegt oder ob der Käufer ihn findet.

Wo der eigene Betrieb in dieser Liste steht, lässt sich vorab prüfen. Ein systematischer Durchgang steht unter Exit-Readiness-Check für den Mittelstand.

Bereit für die ehrliche Bestandsaufnahme?

Sie sagen, wo Ihr Betrieb steht. Ich sage Ihnen ehrlich, was ihn heute verkäuflich macht — und was in 12 bis 24 Monaten realistisch ist. Kostenlos, ohne Provision.

Häufige Fragen

Belastbare Quoten für den deutschen Mittelstand sind öffentlich kaum verfügbar, weil abgebrochene Verkäufe nicht gemeldet werden. Aus der Praxis lässt sich sagen, dass die meisten Abbrüche nicht an einem einzelnen Befund liegen, sondern an einer Häufung, die das Vertrauen in die Darstellung des Verkäufers zerstört.

Nein. Die meisten Red Flags führen zu einer Preisanpassung oder zu einer Absicherung im Vertrag, etwa über Garantien, Freistellungen oder einen Kaufpreiseinbehalt. Zum Abbruch führen typischerweise nur Befunde, die die Fortführung des Betriebs selbst betreffen, etwa fehlende Genehmigungen.

Bekannte Schwächen gehören auf den Tisch, sobald ein Interessent ernsthaft prüft, und zwar mit Ihrer Einschätzung dazu. Ein offen benannter Befund mit einer Lösung wird eingepreist. Derselbe Befund, vom Käufer entdeckt, wird bestraft und beschädigt die Glaubwürdigkeit aller anderen Angaben.

Das reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Schriftliche Regelungen mit nahestehenden Personen und die Umschreibung von Verträgen sind in Monaten machbar. Die Reduzierung der Inhaberabhängigkeit und der Abbau von Kundenkonzentration brauchen zwei bis drei Jahre. Diese Spreizung bestimmt, wann mit der Vorbereitung begonnen werden muss.

Ein Mitarbeiter, der im Rahmen eines Management Buy-Out übernimmt, kennt viele dieser Punkte bereits. Seine Bank prüft trotzdem, und zwar mit denselben Fragen, weil sie den Kauf finanziert. Der Prüfumfang sinkt, die Anforderung an belastbare Zahlen bleibt.

Nach der Erfahrung aus Vorbereitungsprojekten ist es Punkt 1, die Abhängigkeit des Betriebs vom Inhaber. Sie ist gleichzeitig der Befund, der am längsten braucht, um behoben zu werden, und derjenige, der von Inhabern am häufigsten unterschätzt wird.