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Was mache ich, wenn der Betrieb weg ist?

Der häufigste Grund, warum Inhaber die Nachfolge aufschieben, ist nicht der Preis und nicht die Steuer. Es ist die Frage, was danach kommt, und sie wird selten ausgesprochen. Wer dreißig Jahre lang gebraucht wurde, verliert mit der Übergabe nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Rolle, einen Rhythmus und ein Umfeld. Wer das vorher plant, kommt anders durch das erste Jahr als jemand, der es aussitzt. Und ganz praktisch: Wer weiß, was danach kommt, verhandelt entspannter, weil er nicht insgeheim hofft, dass es doch nicht klappt.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Was mache ich, wenn der Betrieb weg ist – Unternehmer am Fenster eines leeren Betriebsbüros nach der Übergabe

Dieser Text ist der einzige in dieser Reihe, in dem es nicht um Zahlen geht. Er ist trotzdem der, der über den Zeitpunkt Ihrer Entscheidung mitbestimmt.

Warum das eine geschäftliche Frage ist

Man könnte einwenden, das sei Privatsache. Ist es auch. Es hat trotzdem messbare geschäftliche Folgen.

**Erstens: Es verzögert.** Wer nicht weiß, was danach kommt, findet immer einen Grund, noch ein Jahr zu warten. Nach fünf solchen Jahren ist der Betrieb älter, der Inhaber auch, und die Vorbereitungszeit ist weg.

**Zweitens: Es beschädigt Verhandlungen.** Verkäufer, die insgeheim nicht loslassen wollen, verhalten sich in Verhandlungen erkennbar anders. Sie finden Gründe, warum ein Käufer nicht passt. Sie stellen Bedingungen, die kein Erwerber akzeptiert. Erfahrene Käufer erkennen das und ziehen sich zurück.

**Drittens: Es belastet die Übergangsphase.** Ein Verkäufer, der nach der Übergabe noch mitarbeitet und dabei nicht loslassen kann, macht dem Nachfolger die Führung unmöglich und beschädigt genau den Wert, für den er bezahlt wurde.

**Viertens: Es kostet Gesundheit.** Es gibt viele Berichte über Inhaber, denen es im ersten Jahr nach der Übergabe schlecht ging. Das ist nicht unvermeidlich, aber es ist häufig genug, um es ernst zu nehmen.

Was tatsächlich wegfällt

Es hilft, es zu benennen. Mit dem Betrieb geht mehr als die Arbeit.

**Die Struktur des Tages.** Aufstehen mit einem Grund, ein Ort, an dem Sie erwartet werden, ein Ablauf. Für Menschen, die vierzig Jahre so gelebt haben, ist der Wegfall spürbarer als erwartet.

**Die Rolle.** Sie waren der Chef, der Meister, derjenige, den man fragt. Im Verein, in der Innung, im Ort. Diese Rolle geht mit dem Betrieb.

**Das Gebrauchtwerden.** Der Punkt, den fast alle unterschätzen. Zwölf Menschen, deren Einkommen an Ihren Entscheidungen hing. Kunden, die anriefen, wenn es brannte. Das hört an einem Tag auf.

**Die sozialen Kontakte.** Ein erheblicher Teil der täglichen Gespräche findet im Betrieb statt. Nach der Übergabe fallen sie weg, und die privaten Kontakte sind bei vielen Inhabern über die Jahre dünner geworden.

**Die Legitimation, beschäftigt zu sein.** Ein Satz, der komisch klingt und den viele wiedererkennen: Solange man arbeitet, muss man sich für nichts rechtfertigen.

Die drei Muster im ersten Jahr

Aus Beobachtung, nicht aus einer Statistik.

**Muster 1: der Rückkehrer.** Kommt nach drei Monaten im Betrieb vorbei, dann wöchentlich. Gibt Ratschläge, ruft alte Kunden an, kritisiert Entscheidungen des Nachfolgers. Gut gemeint, für alle Beteiligten belastend.

**Muster 2: der Erschöpfte.** Fällt in ein Loch. Schläft schlecht, ist gereizt, das Verhältnis zum Partner leidet. Häufig bei Menschen, die keine Interessen außerhalb des Betriebs aufgebaut haben.

**Muster 3: der Vorbereitete.** Hat vorher überlegt, was er will, und angefangen, bevor der Betrieb weg war. Braucht auch eine Umstellungszeit, aber er hat eine Richtung.

Der Unterschied zwischen Muster 2 und 3 liegt fast immer darin, ob vor der Übergabe etwas aufgebaut wurde oder ob mit dem Aufbau erst danach begonnen wurde.

Die vier Fragen, die Sie sich stellen sollten

Zwei bis drei Jahre vor der Übergabe. Nicht danach.

**Frage 1: Was will ich in fünf Jahren erzählen können?** Nicht was Sie tun wollen, sondern was Sie erlebt haben wollen. Diese Formulierung führt zu anderen Antworten als die Frage nach Hobbys.

**Frage 2: Was habe ich in den letzten dreißig Jahren aufgeschoben?** Fast jeder Inhaber hat eine Liste. Reisen, Sprachen, Musik, Ehrenamt, Zeit mit Enkeln, eine handwerkliche Sache, die nichts mit dem Betrieb zu tun hat. Diese Liste ist ein guter Ausgangspunkt.

**Frage 3: Wo werde ich noch gebraucht?** Für viele der wichtigste Punkt. Es gibt Formen, in denen Erfahrung gefragt ist: Ehrenamt in Innung oder Kammer, Prüfungsausschüsse, Ausbildungsengagement, Beiratstätigkeit bei einem anderen Unternehmen, Mentoring für Gründer, Sachverständigentätigkeit. Manches davon berührt vertragliche Regelungen aus Ihrem Verkauf, siehe Wettbewerbsverbot nach dem Firmenverkauf.

**Frage 4: Was will mein Partner?** Wenn beide Partner gleichzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, ändert sich das gemeinsame Leben grundlegend. Diese Frage wird in der Praxis kaum gestellt und ist häufig die folgenreichste. Bei mitarbeitenden Partnern kommt eine weitere Ebene dazu, siehe Ehepartner arbeitet im Betrieb mit.

Was praktisch hilft

**Vorher anfangen, nicht nachher.** Wer zwei Jahre vor der Übergabe beginnt, einen Tag pro Woche für etwas anderes zu reservieren, hat am Tag der Übergabe bereits etwas, das trägt. Wer erst danach anfängt, sucht im freien Fall.

Das hat einen zusätzlichen Effekt: Ein Tag pro Woche außerhalb des Betriebs ist gleichzeitig genau die Übung, die Ihren Betrieb übertragbarer macht. Sie können beides gleichzeitig erledigen. Wie das systematisch aussieht, steht unter Inhaberabhängigkeit reduzieren.

**Eine Rolle aufbauen, die bleibt.** Ein Ehrenamt, eine Funktion, eine Tätigkeit, in der Erfahrung zählt. Am besten so, dass sie unabhängig vom Betrieb existiert und nach der Übergabe weiterläuft.

**Den Abstand vereinbaren.** Wenn Sie nach der Übergabe noch mitarbeiten, sollte vorher klar sein, in welcher Rolle, in welchem Umfang und bis wann. Ohne diese Klarheit entsteht Muster 1.

**Über den Abschied sprechen.** Mit dem Partner, mit Freunden, notfalls mit jemandem, der beruflich zuhört. Es ist ein Abschied, und er hat es verdient, als solcher behandelt zu werden.

**Den letzten Tag gestalten.** Viele Übergaben enden mit einem Termin beim Notar und einer Fahrt nach Hause. Ein bewusster Abschluss mit der Belegschaft, mit langjährigen Kunden, mit den Menschen, mit denen Sie das aufgebaut haben, ist für die meisten Inhaber im Rückblick wichtiger als jede Vertragsklausel.

Die Zwischenformen

Für viele ist der harte Schnitt nicht die richtige Lösung. Es gibt Wege dazwischen: reduzierte Rollen, Beiratstätigkeit, Beteiligung ohne Führung, zeitversetztes Ausscheiden bei Ehepaaren. Diese sind ausführlich beschrieben unter Beirat, Teilzeit-Geschäftsführung und andere Zwischenformen.

Wichtig ist nur, dass eine Zwischenform eine Entscheidung ist und kein Aufschub. Wer sie wählt, weil er sich nicht entscheiden will, hat in drei Jahren dieselbe Frage.

Der Satz zum Schluss

Ein Betrieb, den Sie dreißig Jahre geführt haben, ist ein erheblicher Teil dessen, wer Sie sind. Dass der Abschied schwerfällt, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Bindung.

Was hilft, ist nicht, das kleinzureden, sondern es ernst zu nehmen und früh genug damit anzufangen. Die Vorbereitung des Lebens danach ist Teil der Vorbereitung der Übergabe, und sie beginnt am selben Tag.

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Hinweis

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Er stellt weder Rechts- noch Steuerberatung dar und ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung. Für die Beurteilung Ihrer konkreten Situation ziehen Sie bitte die jeweils geeigneten Fachleute hinzu.

Häufige Fragen

Häufig nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil unklar ist, was danach kommt. Mit dem Betrieb fallen Tagesstruktur, Rolle, das Gefühl gebraucht zu werden und ein großer Teil der sozialen Kontakte weg. Wer dafür keine Vorstellung hat, findet immer einen Grund, noch ein Jahr zu warten.

Beginnen Sie zwei bis drei Jahre vorher, einen Tag pro Woche für etwas außerhalb des Betriebs zu reservieren, und bauen Sie eine Rolle auf, die unabhängig vom Unternehmen weiterbesteht. Das hat einen doppelten Nutzen: Es trägt nach der Übergabe, und es macht den Betrieb gleichzeitig übertragbarer.

Häufig eines von drei Mustern: Rückkehr in den Betrieb mit Ratschlägen und Kritik, ein Motivationstief mit Belastung für Partnerschaft und Gesundheit, oder eine geordnete Umstellung bei denjenigen, die vorher etwas aufgebaut haben. Der Unterschied liegt fast immer darin, ob vor der Übergabe begonnen wurde.

Eine begrenzte Übergangsmitarbeit ist häufig sinnvoll und Teil der Einigung. Entscheidend ist, dass Rolle, Umfang und Enddatum vorher festgelegt sind. Ohne diese Klarheit entsteht regelmäßig die Situation, in der der frühere Inhaber dem Nachfolger die Führung erschwert.

Das ist häufiger, als es angesprochen wird, und es ist besser, es vor der Übergabe zu klären als danach. Wenn beide gleichzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, ändert sich das gemeinsame Leben grundlegend. Ein zeitversetztes Ausscheiden ist für manche Paare die passendere Lösung.

Ja. Ein Betrieb, den Sie über Jahrzehnte geführt haben, ist ein Teil Ihrer Identität. Dass der Abschied schwerfällt, ist Ausdruck der Bindung. Hilfreich ist, das ernst zu nehmen und früh damit umzugehen, statt es bis zum Übergabetermin zu verschieben. Wenn die Belastung anhält, ist es sinnvoll, mit jemandem zu sprechen, der beruflich zuhört.