Due Diligence 9 Min Lesezeit

Datenraum aufbauen: Ordnerstruktur und Dokumentenindex für die Due Diligence

Ein Datenraum ist der geschützte digitale Ablageort, in dem der Verkäufer alle Prüfunterlagen bereitstellt. Er braucht eine feste Ordnerstruktur nach Prüfbereichen, einen nummerierten Dokumentenindex, eine gestaffelte Rechtevergabe und eine Schwärzung personenbezogener Daten. Gut aufgebaut verkürzt er die Prüfung um Wochen.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Datenraum Unternehmensverkauf – Bildschirm mit strukturierter Ordnerablage für Prüfunterlagen

Datenraum

Ein zugriffsgeschützter digitaler Ablageort, in dem der Verkäufer die Prüfunterlagen für Kaufinteressenten bereitstellt. Jeder Zugriff wird protokolliert, Rechte werden je Nutzer und Ordner vergeben.

Die Qualität des Datenraums entscheidet über den Eindruck, den ein Käufer vom Betrieb bekommt, bevor er ihn kennt. Ein Datenraum mit 400 Dateien namens "Scan_0043.pdf" erzeugt denselben Eindruck wie eine Werkstatt, in der das Werkzeug auf dem Boden liegt. Der Käufer schließt vom Zustand der Unterlagen auf den Zustand des Betriebs, und er liegt damit meistens richtig.

Wann der Datenraum gebraucht wird

Der Datenraum wird geöffnet, wenn ein konkreter Interessent nach unterzeichneter Vertraulichkeitsvereinbarung in die Prüfung geht. Aufgebaut wird er deutlich früher. Realistisch sind drei bis sechs Monate zwischen Beginn der Befüllung und Freigabe, weil ein Teil der Unterlagen erst beschafft, aktualisiert oder überhaupt erstellt werden muss.

Wer vorher steht, hat einen zweiten Vorteil: Die eigene Durchsicht des vollständigen Bestands ist der ehrlichste Zustandsbericht über den Betrieb, den es gibt.

Die Ordnerstruktur

Die Struktur folgt den Prüfbereichen des Käufers, nicht der internen Ablagelogik des Betriebs. Bewährt hat sich eine erste Ebene mit zehn nummerierten Ordnern.

NrOrdnerInhalt
01Gesellschaft und StrukturGesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste, Handelsregisterauszug, Beteiligungen, Beschlüsse
02FinanzenJahresabschlüsse, Summen- und Saldenlisten, laufende Auswertungen, Planung
03SteuernSteuerbescheide, Betriebsprüfungsberichte, offene Verfahren, Verrechnungspreise
04FinanzierungKreditverträge, Sicherheiten, Leasing, Bürgschaften, Gesellschafterdarlehen
05Kunden und UmsatzUmsatzstruktur, Rahmenverträge, Auftragsbestand, Konditionen
06Lieferanten und EinkaufRahmenverträge, Abhängigkeiten, Konditionen
07PersonalMitarbeiterübersicht, Verträge Führungskräfte, Betriebsvereinbarungen, Versorgungszusagen
08Immobilien und AnlagenMiet- und Pachtverträge, Grundbuch, Anlagenverzeichnis, Wartungshistorie
09Recht und VersicherungenRechtsstreitigkeiten, Genehmigungen, Schutzrechte, Policen
10IT und ProzesseSystemlandschaft, Lizenzen, Prozessdokumentation, Datenschutz

Auf der zweiten Ebene wird nach Jahren oder Vertragspartnern gegliedert. Tiefer als drei Ebenen sollte die Struktur nicht gehen, sonst findet niemand mehr etwas.

Dateinamen folgen einem festen Schema: `01-03_Gesellschafterbeschluss_2024-06-12.pdf`. Die Nummer verweist auf den Indexeintrag, der Rest beschreibt Inhalt und Datum. Scans werden mit Texterkennung abgelegt, damit sie durchsuchbar sind.

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Der Dokumentenindex

Dokumentenindex

Eine Übersichtstabelle aller im Datenraum abgelegten Dokumente mit laufender Nummer, Bezeichnung, Stand, Ordnerpfad und Status.

Der Index ist das Arbeitsmittel für beide Seiten. Der Käufer hakt seine Anforderungsliste daran ab, der Verkäufer sieht, was noch fehlt. Fünf Spalten reichen.

NrDokumentStandOrdnerStatus
02-01Jahresabschluss 202331.12.202302 Finanzenvollständig
02-02Jahresabschluss 202431.12.202402 Finanzenvollständig
05-07Rahmenvertrag Kunde D01.03.202205 Kundengeschwärzt, Freigabe Phase 2
07-04Versorgungszusage Betriebsleiter15.09.201907 Personalin Klärung

Der Status "in Klärung" ist erlaubt und sinnvoll. Er ist ehrlicher als eine Lücke ohne Erklärung.

Rechte, Wasserzeichen, Protokoll

Drei Einstellungen sind bei jedem Anbieter verfügbar und sollten genutzt werden.

Rechte je Ordner und Nutzer. Der Steuerberater des Käufers braucht Ordner 02 und 03, nicht Ordner 07. Sichtrecht ohne Download- und Druckrecht ist für sensible Ordner der Standard.

Dynamisches Wasserzeichen. Name des Betrachters, Datum und Uhrzeit werden bei der Ansicht in das Dokument eingeblendet. Das verhindert keine Weitergabe, es macht sie zurückverfolgbar.

Zugriffsprotokoll. Wer hat wann welches Dokument wie lange geöffnet? Für den Verkäufer ist das ein Frühindikator: Ein Interessent, der zwei Wochen lang nichts öffnet, ist keiner. Ein Interessent, der sich stundenlang im Ordner Personal aufhält, hat dort ein Thema, das im nächsten Gespräch kommen wird.

Was nicht in den Datenraum gehört

Personenbezogene Daten unterliegen der Datenschutz-Grundverordnung, auch im Verkaufsprozess. Die Mitarbeiterübersicht kommt anonymisiert, mit Kürzel statt Namen, und enthält Eintrittsdatum, Funktion, Vergütungsbestandteile und Kündigungsfrist. Namen, Adressen, Geburtsdaten, Gesundheitsdaten und Angaben zu Schwerbehinderung oder Elternzeit gehören nicht hinein.

Bei Kundenverträgen werden in der ersten Phase Preise, Konditionen und Ansprechpartner geschwärzt. Der Käufer sieht Struktur, Laufzeit und Kündigungsregelung, was für die Risikobewertung ausreicht.

Freigabe in Phasen

PhaseVoraussetzungFreigegeben
1Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnetOrdner 01, 02 in Grundzügen, 08, 10 ohne Details
2Absichtserklärung liegt vorvollständige Finanzen, Steuern, Finanzierung, geschwärzte Kunden- und Personalunterlagen
3Exklusivität vereinbartKlarnamen, Konditionen, Führungskräfteverträge, offene Rechtsthemen

Diese Staffelung ist üblich. Ein Interessent, der in Phase 1 sofort Kundennamen verlangt, sagt damit etwas über sich aus. Wie sich seriöse Interessenten erkennen lassen, steht unter Den richtigen Käufer erkennen.

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Häufige Fragen

Für die interne Sammlung ja, für die Freigabe an Interessenten nein. Ein normaler Cloud-Speicher bietet weder ein belastbares Zugriffsprotokoll noch Wasserzeichen noch eine Rechtevergabe auf Dokumentenebene. Beides fehlt genau dann, wenn es gebraucht wird, nämlich im Streitfall über die Weitergabe von Unterlagen.

Die Preise richten sich nach Speichervolumen, Nutzerzahl und Laufzeit. Für Transaktionen im Mittelstand mit Laufzeiten von drei bis neun Monaten bewegen sich die Angebote im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich pro Monat. Wer einen Anbieter mit Serverstandort in Deutschland wählt, vereinfacht die datenschutzrechtliche Bewertung.

Bei Betrieben mit einstelligem Millionenumsatz sind 150 bis 600 Dokumente üblich. Die Zahl steigt stark mit der Anzahl der Kundenverträge, mit Grundbesitz und mit der Zahl der Mitarbeiter. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob der Index vollständig ist.

Die Sammlung übernimmt der Betrieb, meist Buchhaltung und Sekretariat, unterstützt vom Steuerberater. Die Struktur, die Freigabelogik und die Vollständigkeitsprüfung gehören in eine Hand, die den Prozess kennt. Der Inhaber selbst sollte diese Arbeit nicht übernehmen, weil sie über Wochen bindet.

Sie tragen sie als fehlend in den Index ein und benennen den Grund. Eine dokumentierte Lücke ist verhandelbar. Eine unerklärte Lücke wirkt wie ein Verdeckungsversuch und beschädigt das Vertrauen in den gesamten Datenbestand.

Üblicherweise wird der Datenstand zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses versiegelt und beiden Seiten als unveränderliche Kopie übergeben. Diese Kopie ist die Beweisgrundlage dafür, welche Informationen der Käufer bei Vertragsschluss kannte, was bei späteren Garantiefragen entscheidend wird.