Due Diligence 8 Min Lesezeit

HR Due Diligence: Schlüsselpersonen erkennen und absichern

In der HR Due Diligence prüft der Käufer, ob die Menschen bleiben, an denen das Geschäft hängt. Er sucht Schlüsselpersonen, offene Verpflichtungen aus Arbeitsverhältnissen und Risiken aus Zusagen. Wer diese Personen zwölf Monate vorher identifiziert und ihre Position absichert, verhindert einen Abzug beim Kaufpreis.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

HR Due Diligence Schlüsselpersonen – Betriebsleiter und Mitarbeiter im Gespräch in einer Produktionshalle

HR Due Diligence

Die Prüfung des Personalbereichs durch den Kaufinteressenten. Untersucht werden Personalstruktur, Verträge, Verpflichtungen aus Zusagen und die Abhängigkeit des Geschäfts von einzelnen Personen.

Schlüsselperson

Ein Mitarbeiter, dessen Ausscheiden den Geschäftsbetrieb unmittelbar beeinträchtigen würde, weil Wissen, Kundenbeziehungen oder technische Fähigkeiten an ihm hängen.

Käufer stellen im Personalteil zwei völlig verschiedene Fragen. Die erste ist buchhalterisch: Welche Verpflichtungen sind eingegangen und nicht bilanziert? Die zweite ist existenziell: Wer geht, wenn ich unterschreibe? Die zweite Frage entscheidet den Preis.

Was der Käufer im Personalbereich sucht

PrüfpunktWas gesucht wirdWirkung bei Befund
PersonalstrukturAltersaufbau, Fluktuation, BesetzungslückenInvestitionsbedarf, Abschlag
SchlüsselpersonenKonzentration von Wissen und KundenkontaktBindungszusagen, Kaufpreiseinbehalt
ArbeitsverträgeSchriftform, Kündigungsfristen, WettbewerbsverboteNachverhandlung, Garantien
Vergütungunübliche Zusagen, mündliche Absprachen, Boni ohne RegelungAbzug in Höhe der Verpflichtung
Betriebliche AltersversorgungDirektzusagen, Rückdeckung, Unterdeckungoft die größte Einzelposition
Urlaub und ÜberstundenRückstellungen gebildet oder nichtAbzug vom Kaufpreis
Mitarbeitende AngehörigeVergütung ohne entsprechende FunktionBereinigung des Ergebnisses
Betriebsrat und VereinbarungenMitbestimmungsrechte, laufende VerfahrenZeitplanrisiko beim Closing

Die betriebliche Altersversorgung wird regelmäßig unterschätzt. Eine Direktzusage aus den neunziger Jahren, für die keine ausreichende Rückdeckung besteht, wandert in voller Höhe der Unterdeckung als schuldenähnliche Position vom Kaufpreis ab. Der Zusammenhang ist unter Cash-free, debt-free und Net Debt beschrieben.

Sie wollen wissen, wo Ihr Betrieb in dieser Frage konkret steht? Kostenlose und unverbindliche Einschätzung — ohne Verkaufsdruck und ohne Provision.

Kostenlose Einschätzung

Schlüsselpersonen identifizieren: drei Fragen

Die Liste entsteht nicht nach Hierarchie. Sie entsteht nach Ausfallwirkung. Für jeden Mitarbeiter gilt:

  1. Was bricht weg, wenn diese Person morgen kündigt? Umsatz, Produktion, eine Genehmigung, eine Kundenbeziehung, oder nichts Konkretes.
  2. Wie lange dauert der Ersatz? Gemessen in Monaten bis zur vollen Leistungsfähigkeit, nicht bis zur Vertragsunterschrift.
  3. Existiert das Wissen auch außerhalb dieser Person? Dokumentiert, im System, bei einem Kollegen, oder nirgends.

Wer nach diesem Raster durchgeht, landet in mittelständischen Betrieben typischerweise bei drei bis sieben Namen. Häufig ist einer davon nicht in der Führung: der Kalkulator, der als Einziger weiß, wie Angebote wirklich gerechnet werden. Oder der Servicetechniker, den die Kunden anrufen, wenn etwas klemmt.

Und in fast allen Fällen steht der Inhaber selbst ganz oben auf dieser Liste. Was das bewertungsseitig bedeutet, steht unter Bewertungsabschlag bei Inhaberabhängigkeit.

Bindungsinstrumente und ihre Grenzen

InstrumentWirkungGrenze
Gehaltsanpassung auf Marktniveauwirkt gegen Abwanderung aus reiner Unzufriedenheitwirkt nicht gegen fehlende Perspektive
Erweiterte Verantwortung mit Titelbindet über Aufgabe statt über Geldbraucht echte Entscheidungsbefugnis, sonst durchschaut
Zielvereinbarung mit mehrjähriger Laufzeitschafft finanziellen Anreiz zu bleibenwirkt nur, wenn die Ziele beeinflussbar sind
Verlängerte Kündigungsfristverschafft Zeit, nicht Loyalitätbindet auch den Betrieb, wirkt beidseitig
Nachvertragliches Wettbewerbsverbotschützt vor Kundenmitnahmenur wirksam mit Karenzentschädigung, dadurch teuer
Bleibeprämie zum Verkaufszeitpunktwirkt kurzfristig sehr gutsetzt voraus, dass die Person vom Verkauf weiß

Der letzte Punkt ist der heikelste. Eine Bleibeprämie funktioniert nur, wenn Sie die Person einweihen. Damit haben Sie einen Mitwisser mit erheblichem Hebel. Wer wann informiert wird, gehört zu den Entscheidungen, die vor dem ersten Käuferkontakt getroffen sein müssen, siehe Mitarbeiter beim Verkauf schützen.

Was Sie zwölf Monate vorher tun

Schriftform herstellen. Jedes Arbeitsverhältnis mit schriftlichem Vertrag, jede spätere Änderung als Nachtrag dokumentiert. Mündliche Zusagen aus zwanzig Jahren Betriebsgeschichte sind das häufigste Fundstück in der HR-Prüfung.

Zusagen inventarisieren. Alle Versorgungszusagen, Jubiläumszahlungen, Firmenwagenregelungen und Sonderurlaubsvereinbarungen in eine Liste mit geschätztem Wert. Was bewertbar ist, ist verhandelbar.

Rückstellungen bilden. Urlaub, Überstunden, Jubiläen. Sobald sie in der Buchhaltung stehen, sind sie Teil des bereinigten Ergebnisses und keine Überraschung mehr.

Wissen aus Köpfen holen. Für jede Schlüsselperson eine Beschreibung dessen, was sie tut und wie. Das ist keine Bürokratie, das ist die Absicherung gegen den Fall, dass diese Person geht. Vorgehen unter Prozessdokumentation für inhabergeführte Betriebe.

Vertretung aufbauen. Für jede Schlüsselfunktion muss es eine zweite Person geben, die sie mindestens im Grundsatz übernehmen kann. Das ist der teuerste und wirksamste Punkt der Liste, siehe Zweite Führungsebene aufbauen.

Hinweis

Dieser Beitrag erklärt Zusammenhänge und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Arbeitsrechtliche Gestaltungen und die Wirksamkeit von Wettbewerbsverboten gehören in die Hand eines Fachanwalts für Arbeitsrecht.

Bereit für die ehrliche Bestandsaufnahme?

Sie sagen, wo Ihr Betrieb steht. Ich sage Ihnen ehrlich, was ihn heute verkäuflich macht — und was in 12 bis 24 Monaten realistisch ist. Kostenlos, ohne Provision.

Häufige Fragen

Nein, wenn die Unterlagen anonymisiert vorbereitet werden. Der Käufer erhält eine Liste mit Kürzeln, Funktion, Eintrittsdatum, Vergütung und Kündigungsfrist. Klarnamen und Verträge einzelner Führungskräfte kommen erst in einer späteren Phase. Die Sammlung selbst lässt sich als allgemeine Aktualisierung der Personalakten begründen.

Beim Verkauf der Gesellschaftsanteile bleibt der Arbeitgeber derselbe, die Verträge laufen unverändert weiter. Beim Verkauf des Betriebs greift der Betriebsübergang nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch mit Unterrichtungspflicht und Widerspruchsrecht der Mitarbeiter. Der Unterschied ist erheblich und gehört in die frühe Planung.

In Betrieben mit zwanzig bis achtzig Mitarbeitern sind drei bis sieben typisch. Auffällig wird es für den Käufer, wenn eine einzige Person mehrere kritische Funktionen gleichzeitig hält, etwa Kalkulation, Einkauf und Kundenkontakt. Solche Konzentrationen sind teurer als eine höhere Anzahl verteilter Schlüsselpersonen.

Nicht zwingend, aber Käufer verlangen häufig Gespräche mit der zweiten Führungsebene vor Vertragsabschluss. Der Zeitpunkt dieser Gespräche wird verhandelt und liegt meist nach der Absichtserklärung. Wer bis dahin keine Vertretungsstruktur hat, kann diese Gespräche nicht anbieten und verliert an Glaubwürdigkeit.

Der Fehlbetrag zwischen dem Barwert der Zusage und dem Wert der Rückdeckung wird üblicherweise in voller Höhe vom Kaufpreis abgezogen. Die Berechnung erfolgt versicherungsmathematisch und gehört zu den Positionen, die ein Verkäufer vor dem Prozess selbst ermitteln lassen sollte, weil sie sonst zur Überraschung wird.

Nur begrenzt. Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ist gegenüber Arbeitnehmern nur wirksam, wenn eine Karenzentschädigung gezahlt wird. Diese Entschädigung macht das Instrument teuer und bei größerer Zahl unpraktikabel. Wirksamer ist eine Struktur, in der Kundenbeziehungen dem Betrieb gehören und nicht der Person.