GaLaBau-Betrieb verkaufen: Was Pflegeverträge mit dem Kaufpreis machen
Im Garten- und Landschaftsbau gibt es einen Wertfaktor, der jeden anderen schlägt: den Bestand an Pflegeverträgen. Ein Betrieb, der 40 Prozent seines Umsatzes aus laufender Grünpflege für Wohnungsunternehmen, Kommunen und Gewerbeobjekte erzielt, wird deutlich höher bewertet als ein umsatzgleicher Betrieb, der ausschließlich Neuanlagen für Privatkunden baut. Der Grund ist einfach: Pflegeverträge laufen weiter, egal wer den Betrieb führt.
Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Sie bauen seit dreißig Jahren Gärten, Freianlagen und Außenbereiche. Ihre Maschinen sind bezahlt, Ihre Kolonnen eingespielt, Ihre Auftragslage gut. Was Sie jetzt interessiert, ist die Frage, was davon übertragbar ist. Die Grundlagen der Wertsteigerung stehen im Leitfaden Unternehmenswert steigern.
Warum GaLaBau-Betriebe für Käufer interessant sind
**Der Bedarf ist stabil und teilweise gesetzlich getrieben.** Grünflächen müssen gepflegt werden, Verkehrssicherungspflichten bei Bäumen bestehen unabhängig von der Konjunktur, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind vorgeschrieben, Regenwasserbewirtschaftung und Begrünung gewinnen an Bedeutung.
**Der Zugang zum Gewerk ist offen.** Der Garten- und Landschaftsbau gehört zu den zulassungsfreien Handwerken. Für einen Käufer bedeutet das: Er braucht keinen Meisterbrief, um den Betrieb zu übernehmen. Ihr Käuferkreis ist damit größer als bei Betrieben aus zulassungspflichtigen Gewerken.
[Nicht verifiziert] Die Einordnung des Garten- und Landschaftsbaus in der Handwerksordnung bitte gegen den aktuellen Stand und eine Kammerauskunft prüfen.
Wie ein Käufer Ihren Betrieb bewertet
Bewertet wird das bereinigte Betriebsergebnis mit einem Faktor. Bereinigt bedeutet: Ihr Unternehmerlohn wird auf ein marktübliches Geschäftsführergehalt korrigiert, private Anteile werden herausgerechnet, Sondereffekte werden geglättet. Wie das im Detail funktioniert, steht unter kalkulatorischer Unternehmerlohn in der Bewertung.
Der Garten- und Landschaftsbau hat in den gängigen Multiplikatoren-Übersichten keine eigene Zeile. Sachgerecht ist die Einordnung ins Bauhaupt- und Baunebengewerbe: Dort weist die Deutsche Unternehmerbörse für Betriebe mit weniger als 5 Millionen Euro Umsatz eine Bandbreite vom 3,8- bis 5,0-Fachen des bereinigten Ergebnisses aus, für Betriebe zwischen 5 und 50 Millionen Euro Umsatz das 4,4- bis 5,8-Fache. Grundlage sind die aggregierten Markteinschätzungen von über 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum, quartalsweise aktualisiert (Quelle: Deutsche Unternehmerbörse, DUB KMU-Multiples, Stand Q2/2026, dub.de/de/kmu-multiples). Die Zuordnung des GaLaBau zu dieser Kategorie ist eine begründete Einschätzung und von der Quelle nicht ausdrücklich bestätigt.
Prüfen Sie im aktuellen Quartalsreport, ob sich die Werte auf EBIT oder EBITDA beziehen. Die DUB verwendet in ihren Veröffentlichungen beide Bezugsgrößen. Bei einem maschinenintensiven Betrieb macht das einen erheblichen Unterschied.
Die Bandbreite gilt für die Branche, nicht für Ihren Betrieb. Wo Sie darin landen, entscheiden die Faktoren in der folgenden Tabelle.
Was den Wert Ihres GaLaBau-Betriebs bestimmt
| Faktor | Wirkung auf den Preis |
|---|---|
| Bestand an Pflegeverträgen mit Laufzeit | Stark positiv |
| Rahmenverträge mit Kommunen oder Wohnungsunternehmen | Stark positiv |
| Kolonnenführer, die Baustellen eigenständig abwickeln | Stark positiv |
| Winterdienst mit festen Objekten | Positiv |
| Baumpflege und Verkehrssicherungsprüfung im Leistungsspektrum | Positiv |
| Eigene Kalkulation außerhalb des Inhaberkopfes | Stark positiv |
| Maschinenpark mit klarer Altersstruktur | Positiv |
| Überwiegend Privatkunden mit Einzelaufträgen | Negativ |
| Hoher Anteil öffentlicher Ausschreibungen über den Preis | Negativ |
| Investitionsstau bei Maschinen und Fahrzeugen | Negativ |
| Betriebshof im Privatvermögen ohne geklärte Struktur | Gesondert zu klären |
Die drei Hebel in Ihrem Gewerk
Der Pflegevertragsbestand
Das ist der Punkt, an dem sich in Ihrer Branche der Kaufpreis entscheidet. Setzen Sie sich hin und beantworten Sie drei Fragen: Wie viele Objekte pflegen Sie regelmäßig? Welchen Jahresumsatz machen diese Objekte aus? Wie viele davon haben eine schriftliche Vereinbarung mit Laufzeit?
In vielen Betrieben ist die Antwort auf die dritte Frage ernüchternd. Die Pflege läuft seit Jahren, alle sind zufrieden, niemand hat je etwas unterschrieben. Für den laufenden Betrieb funktioniert das. Für den Verkauf ist es ein Problem, weil ein Käufer diesen Umsatz nicht prüfen kann.
Die Aufgabe über zwölf bis achtzehn Monate: Bestandsaufnahme, Überführung in schriftliche Pflegeverträge mit Laufzeit, Verlängerungsklausel und Preisanpassungsregel, Terminplanung im System. Was das grundsätzlich bewirkt, steht unter wiederkehrende Umsätze aufbauen.
Objektkunden, die besonders wertvoll sind: Wohnungsunternehmen und Genossenschaften, kommunale Liegenschaften, Industrie- und Gewerbeparks, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, Friedhofsverwaltungen, Verkehrsträger mit Bankettpflege.
Die Kalkulation und die Kolonnenführung
Im GaLaBau steckt viel Erfahrung in der Einschätzung: Wie lange braucht eine Kolonne für 800 Quadratmeter Pflasterfläche, was kostet der Bodenaustausch, wie viel Entsorgung fällt an, wie kalkuliert man Witterungsrisiko. Ein Käufer fragt, wer das außer Ihnen kann. Wenn niemand, kauft er einen Betrieb, dessen Marge mit Ihnen geht.
Was hilft: Aufwandswerte aus der eigenen Nachkalkulation, Maschinenstundensätze, dokumentierte Zuschlagssätze, eine Nachkalkulation je Auftrag und mindestens eine zweite Person, die selbstständig kalkuliert. Parallel dazu Kolonnenführer, die Baustellen ohne tägliche Rücksprache abwickeln. Der Beitrag zum Aufbau einer zweiten Führungsebene beschreibt, woran das typischerweise scheitert.
Der Maschinenpark
Ihr Fuhr- und Maschinenpark bindet erhebliches Kapital: Bagger, Radlader, Kipper, Anhänger, Aufsitzmäher, Anbaugeräte. Erstellen Sie eine vollständige Übersicht mit Baujahr, Betriebsstunden, Zustand, Eigentum oder Leasing, Restwert und Ersatzbedarf. Legen Sie diese Liste selbst vor, bevor ein Käufer sie erstellt.
Zur Frage, ob Sie vor dem Verkauf noch investieren sollten: in der Regel nein. Ein Käufer bezahlt Neuanschaffungen nicht in voller Höhe. Eine kontinuierliche, dokumentierte Ersatzpolitik über die letzten Jahre wirkt besser als eine Investitionswelle kurz vor der Übergabe. Eine ausführlichere Einordnung steht unter Wachsen vor dem Verkauf.
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Kostenlose EinschätzungDer Sonderfall Betriebshof
Viele GaLaBau-Betriebe verfügen über einen Betriebshof mit Lagerflächen, Substrat- und Materialboxen, Maschinenhalle und Sozialräumen. Häufig gehört diese Fläche dem Inhaber privat oder einer separaten Gesellschaft.
Das ist eine eigenständige Entscheidung mit eigenen steuerlichen Folgen. Ein Käufer will vielleicht mieten, vielleicht kaufen, vielleicht hat er selbst Flächen. Liegt eine Betriebsaufspaltung vor, kann die Übertragung des Betriebs Wirkungen auf die Immobilie auslösen, mit denen niemand gerechnet hat. Klären Sie das mit Ihrem Steuerberater mindestens zwei Jahre vor dem Verkauf.
Wer GaLaBau-Betriebe kauft
- **Der regionale Wettbewerber.** Sucht Personal, Maschinen und Objektkunden. Häufigster Käufertyp.
- **Der überregionale Anbieter.** Größere Landschaftsbau- und Grünpflegeunternehmen, die regional wachsen wollen. Zahlen gut bei hohem Pflegevertragsanteil.
- **Der Facility-Dienstleister.** Will Grünpflege als Leistung ins eigene Angebot holen, um Objekte vollständig betreuen zu können. Für Betriebe mit gewerblichem Objektbestand sehr interessant.
- **Der MBI-Kandidat.** Weil das Gewerk zulassungsfrei ist, kommen auch Quereinsteiger mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund in Frage. Das erweitert Ihren Käuferkreis spürbar.
- **Der eigene Bauleiter oder Kolonnenführer (MBO).** Wenn Sie in den nächsten Jahren jemanden zur Führung aufbauen, bauen Sie sich gleichzeitig einen Nachfolger auf.
Eine Gegenüberstellung aller Käufertypen steht unter den richtigen Käufer erkennen.
Ihr Fahrplan für die nächsten achtzehn Monate
| Zeitraum | Aufgabe |
|---|---|
| Monat 1 bis 2 | Alle regelmäßig gepflegten Objekte erfassen und Umsatz beziffern |
| Monat 1 bis 3 | Umsatz nach Neuanlage, Pflege, Winterdienst und Baumpflege trennen |
| Monat 2 bis 4 | Maschinen- und Fuhrparkübersicht mit Zustand erstellen |
| Monat 3 bis 15 | Pflegeleistungen in schriftliche Verträge überführen |
| Monat 4 bis 12 | Aufwandswerte und Kalkulationsgrundlagen dokumentieren |
| Monat 6 bis 18 | Zweite Person für Kalkulation und Bauleitung aufbauen |
| Monat 6 bis 18 | Betriebshof steuerlich und vertraglich klären |
| Monat 15 bis 18 | Drei Wochen Abwesenheit ohne Erreichbarkeit als Test |
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