Wenn der Ehepartner im Betrieb mitarbeitet
In sehr vielen inhabergeführten Betrieben arbeiten beide Partner mit, häufig ohne dass jemals aufgeschrieben wurde, wer was tut. Bei einer Übergabe wird daraus ein eigenes Thema: Zwei Personen scheiden gleichzeitig aus, und der Betrieb verliert nicht eine Funktion, sondern mehrere. Käufer prüfen genau das. Wer es vorher klärt, verhandelt aus einer deutlich besseren Position.
Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Hinweis
Dieser Beitrag beschreibt allgemeine Zusammenhänge und Fragestellungen. Er enthält keine arbeits-, gesellschafts- oder steuerrechtliche Bewertung eines Einzelfalls. Konstellationen mit mitarbeitenden Ehepartnern berühren mehrere Rechtsgebiete gleichzeitig und wirken je nach Rechtsform und Vertragsgestaltung sehr unterschiedlich. Die Prüfung gehört zu Ihrem Steuerberater und einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt.
Sie führen den Betrieb, Ihre Frau macht Buchhaltung, Personal, Auftragsannahme und die Hälfte der Kundenkommunikation. Oder umgekehrt. Seit dreißig Jahren. Es funktioniert, und es hat nie jemand aufgeschrieben.
Genau das wird beim Verkauf zum Thema.
Warum das mehr ist als eine Personalfrage
Wenn beide Partner ausscheiden, geht nicht eine Führungskraft, sondern eine eingespielte Doppelstruktur.
In der Praxis heißt das meistens: Der eine trägt Technik, Kalkulation und Kunden. Der andere trägt Buchhaltung, Personal, Organisation, Liquidität, Mahnwesen, Telefon und einen erheblichen Teil dessen, was den Laden zusammenhält.
Ein Käufer muss beides ersetzen. Und er muss es bezahlen.
**Das ist der Punkt, der in Bewertungsgesprächen regelmäßig überrascht.** Wenn beide Partner bisher zu deutlich unter Marktkonditionen gearbeitet haben, ist ein Teil des ausgewiesenen Gewinns in Wahrheit unbezahlte Arbeitskraft. Sobald ein marktübliches Gehalt für beide Funktionen angesetzt wird, sinkt das Ergebnis, auf dessen Basis bewertet wird. Die Systematik dahinter beschreibt Kalkulatorischer Unternehmerlohn in der Bewertung.
Das ist kein Rechentrick des Käufers, sondern die realistische Abbildung der künftigen Kostenstruktur. Ein Erwerber muss zwei Menschen einstellen, die vorher am Küchentisch mitgeplant haben.
Die vier Fragen, die Sie zuerst beantworten sollten
Keine davon ist rechtlich. Alle vier gehören Ihnen.
**Frage 1: Wer macht eigentlich was?** Schreiben Sie für beide Partner auf, welche Aufgaben tatsächlich erledigt werden, mit geschätztem Zeitanteil. Nicht die Stellenbeschreibung, die Realität. Diese Liste ist die Grundlage für alles Weitere.
**Frage 2: Was würde ein Ersatz kosten?** Für jede Aufgabengruppe: Welche Position müsste ein Erwerber besetzen, in welchem Umfang, zu welchem Marktgehalt? Diese Zahl brauchen Sie, weil sie in jede Bewertung eingeht, ob Sie sie ermitteln oder der Käufer.
**Frage 3: Wollen wir beide gleichzeitig raus?** Die Frage wird selten gestellt und ist oft der Kern. Es kommt regelmäßig vor, dass ein Partner aufhören will und der andere gern noch einige Jahre weitermachen würde. Ein zeitversetzter Ausstieg kann für den Betrieb erheblich einfacher sein.
**Frage 4: Wer entscheidet am Ende?** Bei einer Übergabe entstehen Entscheidungen, bei denen die Interessen der beiden Partner auseinandergehen können, etwa zwischen einem höheren Preis und einer bestimmten Lösung für die Belegschaft. Klären Sie vorher, wie Sie damit umgehen, nicht im Verhandlungstermin.
Frage 3 ist erfahrungsgemäß die, die Beziehungen belastet, wenn sie nicht ausgesprochen wird. Viele Paare stellen erst im Prozess fest, dass sie unterschiedliche Vorstellungen vom Danach haben.
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Kostenlose EinschätzungWas Käufer prüfen
Rechnen Sie mit diesen Fragen:
- Welche Aufgaben übernehmen die beiden Inhaber, in welchem Zeitumfang?
- Zu welchen Konditionen sind sie im Unternehmen tätig?
- Welche Positionen müssen nach der Übergabe neu besetzt werden, und was kostet das?
- Gibt es Mitarbeiter, die Teile dieser Aufgaben bereits übernehmen könnten?
- Wer außerhalb der Familie kennt Buchhaltung, Zahlungsverkehr, Personalthemen?
- Wie ist die Vertretung geregelt, wenn beide gleichzeitig ausfallen?
Die letzte Frage ist auch unabhängig vom Verkauf relevant. In Betrieben, in denen beide Partner alles tragen, ist das Ausfallrisiko besonders hoch. Was ein plötzlicher Ausfall auslöst, beschreibt Krankheit zwingt zum Ausstieg.
Die Themen, die in fachliche Hände gehören
Diese Punkte benenne ich, damit Sie wissen, wonach Sie fragen müssen. Beantworten kann sie nur, wer dafür zugelassen ist.
**Für das Gespräch mit dem Steuerberater:**
- Wie ist die Mitarbeit des Partners aktuell gestaltet, und welche Konsequenzen hat diese Gestaltung bei einer Übergabe?
- Welche Fragen entstehen, wenn beide gleichzeitig ausscheiden, und welche bei zeitversetztem Ausscheiden?
- Welche Rolle spielt die gewählte Rechtsform in dieser Konstellation?
- Was ist zu beachten, wenn Betriebsvermögen oder eine Immobilie im Eigentum eines Partners oder beider steht?
- Welche Auswirkungen hat die Gestaltung auf die Altersversorgung beider Partner?
**Für das Gespräch mit der Anwältin oder dem Anwalt:**
- Welche vertraglichen Grundlagen bestehen für die Mitarbeit, und sind sie in der aktuellen Form belastbar?
- Was ist bei einer Übergabe hinsichtlich der Beschäftigungsverhältnisse zu beachten?
- Welche Regelungen bestehen oder fehlen für den Fall des Ausfalls eines Partners?
- Wie sind Vertretungsbefugnisse und Zugriffe geregelt?
- Welche gesellschaftsrechtlichen Fragen entstehen, wenn beide Partner beteiligt sind?
Frage 5 der Steuerliste wird am häufigsten vergessen. Für viele Paare ist die Altersversorgung nach dem Ausstieg die eigentlich existenzielle Frage, und sie hängt an Gestaltungen, die Jahre vorher getroffen wurden.
Was Sie in den nächsten zwölf Monaten tun können
| Zeitraum | Schritt |
|---|---|
| Monat 1 | Aufgabenliste für beide Partner erstellen, mit Zeitanteilen |
| Monat 1 bis 2 | Ersatzkosten je Aufgabengruppe schätzen |
| Monat 2 | Das Gespräch über Frage 3 und 4 führen, außerhalb des Betriebs |
| Monat 2 bis 3 | Termin beim Steuerberater mit der Fragenliste oben |
| Monat 3 | Anwaltstermin mit der zweiten Fragenliste |
| Monat 3 bis 9 | Kaufmännische Aufgaben schrittweise auf eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter übertragen |
| Monat 6 bis 12 | Dieselbe Übertragung im operativen Bereich |
| Monat 12 | Zwei Wochen Abwesenheit beider Partner ohne Erreichbarkeit |
Der letzte Punkt ist in dieser Konstellation besonders aussagekräftig, weil er beide Lücken gleichzeitig sichtbar macht. Wie Sie ihn aufsetzen, steht unter Übergabefähigkeit testen.
Die Übertragung der kaufmännischen Aufgaben ist dabei häufig der schnellere Hebel, weil dafür seltener Fachqualifikation nötig ist als im operativen Bereich. Sie wird trotzdem meist zuletzt angegangen, weil sie näher am Vertrauen liegt.
Der Teil, über den selten gesprochen wird
Zwei Menschen, die dreißig Jahre gemeinsam einen Betrieb geführt haben, verlieren mit der Übergabe nicht nur eine Arbeit, sondern eine gemeinsame Struktur. Den Rhythmus des Tages, die gemeinsamen Themen, die Rollen, die man füreinander hatte.
Paare, die das vorher besprechen, kommen erfahrungsgemäß besser durch die Zeit danach. Paare, die es nicht tun, stellen im ersten Jahr fest, dass sie sich über etwas anderes als den Betrieb wenig zu sagen haben.
Das ist keine geschäftliche Frage, aber es ist eine, die den Zeitpunkt der Entscheidung beeinflusst. Und es ist ein Grund, warum ein zeitversetzter Ausstieg für manche Paare besser funktioniert als ein gemeinsamer Schnitt. Eine neutrale Bestandsaufnahme dazu bekommen Sie über die kostenlose Unternehmensanalyse.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Er stellt weder Rechts- noch Steuerberatung dar. Für die Beurteilung Ihrer konkreten Situation ziehen Sie bitte Ihren Steuerberater, Ihre Steuerberaterin oder eine Rechtsanwältin beziehungsweise einen Rechtsanwalt hinzu.
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