Elektrobetrieb Bewertung: So kommt der Kaufpreis zustande
Ein Elektrobetrieb wird über das bereinigte Betriebsergebnis mal einem Branchenfaktor bewertet, nicht über den Umsatz. Bereinigt wird um einen marktüblichen Unternehmerlohn, private Anteile und Einmaleffekte, betrachtet über drei Jahre. Vom Ergebnis werden Schulden abgezogen. Elektrobetriebe haben eine Besonderheit, die den Wert hebt: wiederkehrendes Prüf- und Wartungsgeschäft aus gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen.
Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Elektrobetriebe gehören zu den gefragteren Handwerksbetrieben am Nachfolgemarkt. Der Grund ist nicht der Umsatz, sondern die Struktur: Ein gut geführter Elektrobetrieb hat einen Sockel an wiederkehrenden Prüf- und Wartungsleistungen, den ein Käufer kalkulieren kann. Diese Seite zeigt, wie daraus ein Kaufpreis wird.
Der Gesamtüberblick zum Verkaufsprozess steht unter Elektrobetrieb verkaufen, die Faktorlogik im Detail unter Elektrobetrieb Multiple.
Die drei Schritte der Bewertung
- Ergebnis bereinigen: marktüblicher Unternehmerlohn, private Anteile, Einmaleffekte, Mieten auf Marktniveau — gerechnet über die letzten drei Geschäftsjahre.
- Faktor anwenden: Der Elektrobetrieb zählt zum Bauhaupt- und Baunebengewerbe.
- Vom Unternehmenswert zum Kaufpreis: Schulden abziehen, überschüssige Liquidität hinzurechnen, Immobilie getrennt behandeln, Kaufpreisstruktur berücksichtigen.
Die Deutsche Unternehmerbörse weist für das Bauhaupt- und Baunebengewerbe bei Betrieben unter 5 Millionen Euro Umsatz eine Bandbreite vom 3,8- bis 5,0-Fachen aus, zwischen 5 und 50 Millionen Euro Umsatz das 4,4- bis 5,8-Fache. Die Werte werden quartalsweise aus Einschätzungen von über 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten aggregiert (Quelle: Deutsche Unternehmerbörse, DUB KMU-Multiples, Stand Q2/2026, dub.de/de/kmu-multiples).
Das Prüfgeschäft als Werttreiber
Die Besonderheit des Elektrohandwerks gegenüber vielen anderen Gewerken: Ein Teil des Umsatzes entsteht nicht aus Investitionsentscheidungen der Kunden, sondern aus Pflichten, die sie ohnehin erfüllen müssen. Das macht diesen Umsatz planbar — und planbarer Umsatz ist für Käufer bares Geld.
| Leistungsart | Wiederkehr | Wirkung auf die Bewertung |
|---|---|---|
| Prüfung ortsveränderlicher und ortsfester Betriebsmittel bei Gewerbekunden | jährlich bis vierjährlich | hoch, weil vertraglich und terminiert |
| Wartung von Sicherheits- und Notbeleuchtung, Brandmelde- und Alarmtechnik | jährlich | hoch, oft mit Rahmenvertrag |
| Service für Gebäudeleittechnik und Zutrittssysteme | laufend | hoch, weil technisch gebunden |
| Wartung von Photovoltaik- und Speicheranlagen | jährlich | steigend, junger Bestand |
| Projektgeschäft Neubau und Sanierung | einmalig | gering, konjunkturabhängig |
Entscheidend ist die Belegbarkeit. Ein Käufer bezahlt nicht dafür, dass Sie diese Kunden seit Jahren betreuen, sondern dafür, dass es schriftliche Vereinbarungen mit Laufzeit, Leistungsumfang und Preisanpassungsregel gibt und dass die Termine im System hinterlegt sind. Mehr dazu unter wiederkehrende Umsätze aufbauen.
Praxisregel
Rechnen Sie Ihren Anteil wiederkehrender Umsätze aus: Prüf- und Wartungsumsatz geteilt durch Gesamtumsatz. Unter 15 Prozent haben Sie ein reines Projektgeschäft. Über 30 Prozent haben Sie ein Argument, das im Faktor sichtbar wird.
Bereinigung im Detail
| Position | Wirkung | Typische Größenordnung |
|---|---|---|
| Unternehmerlohn auf marktübliche Geschäftsführervergütung | meist mindernd | 90.000 bis 150.000 Euro |
| Private Fahrzeug-, Reise- und Versicherungsanteile | erhöhend | 5.000 bis 40.000 Euro |
| Miete für eigene Betriebsimmobilie auf Marktniveau | beides möglich | einzelfallabhängig |
| Mitarbeitende Angehörige auf Marktgehalt | beides möglich | 10.000 bis 60.000 Euro |
| Einmalige Großprojekte oder Ausfälle | beides möglich | einzelfallabhängig |
| Nachzuholende Investitionen in Mess- und Prüftechnik | mindernd | 10.000 bis 40.000 Euro |
| Rückstellungen für offene Gewährleistung | mindernd | einzelfallabhängig |
Der Unternehmerlohn ist auch hier der größte Einzelposten. Wie er korrekt angesetzt wird, steht unter kalkulatorischer Unternehmerlohn in der Bewertung.
Beispielrechnung: 3,1 Millionen Umsatz
Ein Elektrobetrieb mit 19 Mitarbeitern, davon drei im Prüfdienst, 3,1 Millionen Euro Umsatz, davon rund 780.000 Euro aus Prüfung und Wartung. Ein angestellter Meister leitet den Servicebereich.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Ausgewiesenes Ergebnis vor Steuern (Ø 3 Jahre) | 244.000 Euro |
| Entnommener Unternehmerlohn (zurückgerechnet) | + 84.000 Euro |
| Marktüblicher Geschäftsführerlohn | − 130.000 Euro |
| Private Anteile | + 21.000 Euro |
| Einmaliges Großprojekt im Vorjahr | − 31.000 Euro |
| Nachzuholende Prüftechnik | − 14.000 Euro |
| Bereinigtes Ergebnis | 174.000 Euro |
| Faktor (25 Prozent wiederkehrender Umsatz, Servicemeister vorhanden) | 4,8 |
| Unternehmenswert schuldenfrei | 835.200 Euro |
| Abzug Bankdarlehen und Leasing | − 190.000 Euro |
| Überschüssige Liquidität | + 55.000 Euro |
| Erwarteter Kaufpreis für die Anteile | rund 700.000 Euro |
Ob dieser Betrag in einer Summe fließt, hängt von der Kaufpreisstruktur ab. Bei Betrieben dieser Größe sind Earn-out-Anteile von 15 bis 30 Prozent üblich, siehe Earn-out-Klausel im Firmenverkauf.
Was den Wert drückt
- Ein hoher Anteil öffentlicher Ausschreibungen mit dünnen Margen und langen Zahlungszielen.
- Abhängigkeit von einem Generalunternehmer oder Bauträger über 25 Prozent Umsatzanteil, siehe Klumpenrisiken im Kundenstamm.
- Unfertige Leistungen und Nachträge, die seit Monaten nicht abgerechnet sind.
- Prüfleistungen ohne schriftliche Vereinbarung und ohne Terminverwaltung im System.
- Fehlende Qualifikationsnachweise für Sonderbereiche, etwa Brandmeldetechnik oder Aufzugstechnik.
- Der Inhaber als einzige Person mit Eintragung im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers.
[Nicht verifiziert] Welche Eintragungen und Fachbetriebsqualifikationen in Ihrem Fall an Personen und welche an den Betrieb gebunden sind, unterscheidet sich je nach Netzbetreiber und Kammerbezirk. Lassen Sie das schriftlich bestätigen, bevor Sie in Verhandlungen gehen.
Welche Unterlagen der Käufer sehen will
- Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre plus aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung.
- Liste aller Prüf- und Wartungsvereinbarungen mit Jahresumsatz, Laufzeit und Kündigungsfrist.
- Umsatzverteilung nach Kunden für drei Jahre, mit Anteil der fünf größten Kunden.
- Auftragsbestand mit Fertigstellungsgrad und offenen Nachträgen.
- Personalübersicht mit Qualifikationen, Alter, Betriebszugehörigkeit und Kündigungsfristen.
- Übersicht offener Gewährleistungsfälle mit gebildeten Rückstellungen.
- Nachweise über Eintragungen, Zertifizierungen und Fachbetriebsqualifikationen.
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