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Dachdeckerbetrieb bewerten: So entsteht ein belastbarer Wert

Der Wert eines Dachdeckerbetriebs ergibt sich aus dem bereinigten EBIT der letzten drei Jahre, multipliziert mit einem branchenüblichen Faktor, zuzüglich nicht betriebsnotwendigen Vermögens und abzüglich der Nettofinanzverbindlichkeiten. Entscheidend für die Höhe des Faktors sind der Bestand an Wartungs- und Inspektionskunden, die Eigenständigkeit der Kolonnen, der Zustand von Fuhrpark und Gerüstmaterial sowie die Gewährleistungshistorie. Ein Betrieb mit 900.000 Euro Umsatz und 140.000 Euro bereinigtem EBIT liegt in der Praxis meist zwischen 500.000 und 750.000 Euro.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Dachdeckerbetrieb Bewertung — Kalkulationsunterlagen, Dachplan und Taschenrechner im Büro des Dachdeckerbetriebs

Viele Inhaber von Dachdeckerbetrieben rechnen mit einem Prozentsatz vom Jahresumsatz. Das führt fast immer in die Irre. Käufer bezahlen keinen Umsatz, sondern das Ergebnis, das nach Ihrem Ausscheiden übrig bleibt — und die Sicherheit, mit der es auch im nächsten Jahr noch da ist.

Was tatsächlich bewertet wird

Grundlage ist das nachhaltig erzielbare Betriebsergebnis, nicht der Gewinn laut Steuerbilanz. Der Steuerberater optimiert auf niedrige Steuerlast, der Käufer schaut auf Ertragskraft. Diese beiden Zahlen liegen im Handwerk regelmäßig 30 bis 60 Prozent auseinander.

Bereinigtes EBIT

Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern, korrigiert um alle privat veranlassten, einmaligen und nicht marktüblichen Positionen. Es zeigt, was der Betrieb unter normaler Führung verdient.

Das EBIT sauber bereinigen

PositionTypische Korrektur im Dachdeckerbetrieb
UnternehmerlohnMarktüblichen Meisterlohn ansetzen, meist 75.000 bis 95.000 Euro inklusive Nebenkosten
Mitarbeitende AngehörigeAuf marktübliche Vergütung korrigieren, in beide Richtungen
Betriebshof im PrivatvermögenMiete auf ortsübliches Niveau anpassen
Private Fahrzeuge und KostenHerausrechnen
SturmschadenjahreSondereffekte glätten, nicht als Normaljahr behandeln
GewährleistungsrückstellungenRealistisch bewerten, offene Fälle benennen
Einmalige GroßprojekteAls Sondereffekt ausweisen

Praxishinweis

Sturmjahre sind der häufigste Streitpunkt in der Bewertung von Dachdeckerbetrieben. Ein Käufer glättet sie über drei bis fünf Jahre. Wer seinen Preis auf dem besten Sturmjahr aufbaut, verliert in der Verhandlung Glaubwürdigkeit.

Was den Wert hebt und senkt

MerkmalWirkung auf den Faktor
Wartungs- und Inspektionsverträge über 15 Prozent des Umsatzes+ 0,4 bis 0,9
Angestellter Meister im Betrieb+ 0,3 bis 0,8
Zwei oder mehr eigenständige Kolonnenführer+ 0,3 bis 0,7
Digitale Aufmaß- und Zeiterfassung+ 0,2 bis 0,4
Gepflegter Fuhrpark und eigenes Gerüstmaterial+ 0,2 bis 0,5
Inhaber macht Aufmaß und Kalkulation allein− 0,5 bis 1,0
Offene Gewährleistungsfälle ohne Rückstellung− 0,3 bis 0,8
Ein Auftraggeber über 30 Prozent Umsatzanteil− 0,4 bis 0,9
Investitionsstau bei Fahrzeugen und Gerüst− 0,3 bis 0,6

Welche Faktorbänder aktuell gelten und wie sie sich nach Betriebsgröße unterscheiden, zeigt Multiple für Dachdeckerbetriebe.

Rechenbeispiel aus der Praxis

RechenschrittBetrag in Euro
Jahresumsatz980.000
Gewinn laut Steuerbilanz62.000
+ überhöhte Geschäftsführervergütung+ 55.000
− marktüblicher Meisterlohn− 85.000
+ private Kfz- und Reisekosten+ 18.000
+ Mietkorrektur Betriebshof+ 12.000
+ einmalige Abfindung+ 25.000
= bereinigtes EBIT87.000
× Faktor 4,6400.200
+ nicht betriebsnotwendiges Vermögen+ 60.000
− Nettofinanzverbindlichkeiten− 95.000
= Kaufpreis für 100 Prozent der Anteile365.200

Der Faktor 4,6 unterstellt hier einen Betrieb mit angestelltem Meister, aber ohne nennenswerten Wartungsbestand. Mit 20 Prozent Wartungsanteil wäre ein Faktor um 5,3 realistisch — rund 60.000 Euro mehr Kaufpreis bei identischem Ergebnis.

Zwölf Monate Vorbereitung

  1. Wartungs- und Inspektionskunden schriftlich binden, mit Laufzeit und Preisgleitklausel.
  2. Aufmaß und Kalkulation auf zwei weitere Personen verteilen und dokumentieren.
  3. Gewährleistungsfälle der letzten fünf Jahre auflisten und bewerten.
  4. Fuhrpark- und Gerüstliste mit Baujahr, Zustand und Ersatzbedarf erstellen.
  5. Privatanteile aus der Buchhaltung herauslösen, damit die Zahlen ohne Erklärung lesbar sind.
  6. Nachkalkulation je Auftrag einführen, damit Margen belegbar werden.

Wie Käufer diese Punkte prüfen, steht in der Due-Diligence-Checkliste für Verkäufer. Den Gesamtüberblick zum Gewerk gibt Dachdeckerbetrieb verkaufen.

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Häufige Fragen

In der Regel das Vier- bis Sechsfache des bereinigten EBIT, zuzüglich nicht betriebsnotwendigen Vermögens und abzüglich Schulden. Bei 140.000 Euro bereinigtem EBIT liegt die Spanne typischerweise zwischen 500.000 und 750.000 Euro, abhängig von Wartungsbestand und Inhaberabhängigkeit.

Nein. Umsatzfaktoren führen im Dachdeckerhandwerk zu falschen Ergebnissen, weil Materialanteil und Nachunternehmereinsatz stark schwanken. Zwei Betriebe mit gleichem Umsatz können völlig unterschiedliche Ertragskraft haben.

Käufer glätten sie über drei bis fünf Jahre und bewerten sie nicht als Normalniveau. Weisen Sie Sturmumsätze getrennt aus. Das schafft Vertrauen und verhindert, dass der Käufer pauschal einen Sicherheitsabschlag auf alle Zahlen legt.

Es ist betriebsnotwendiges Anlagevermögen und im Ertragswert bereits enthalten. Separat vergütet wird es nur, wenn es deutlich über den Bedarf hinausgeht oder verpachtet wird. Eine gepflegte Bestandsliste mit Zustand hilft in jedem Fall.

Käufer bilden dafür Rückstellungen oder verlangen einen Kaufpreiseinbehalt. Wer offene Fälle von sich aus benennt und beziffert, verliert weniger Wert als der, bei dem sie in der Prüfung auftauchen.

Zwölf bis vierundzwanzig Monate. Die Bereinigung der Zahlen geht in wenigen Wochen, der Aufbau von Wartungsbestand und zweiter Führungsebene braucht mindestens ein volles Geschäftsjahr, um belegbar zu sein.