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Malerbetrieb bewerten: Der vollständige Rechenweg

Ein Malerbetrieb wird über das bereinigte Ergebnis mal einem Faktor bewertet, zuzüglich nicht betriebsnotwendigem Vermögen und abzüglich der Nettoverschuldung. Für Maler- und Lackiererbetriebe unter 5 Millionen Euro Umsatz liegt der Faktor aktuell zwischen dem 3,8- und 5,6-Fachen (Deutsche Unternehmerbörse, KMU-Multiples, Stand Q2/2026). Den Ausschlag geben Auftragsstruktur, Vorarbeiterqualität und die Frage, ob der Chef noch selbst auf der Baustelle steht.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Malerbetrieb Bewertung — Kalkulationsunterlagen, Farbfächer und Taschenrechner im Büro des Malerbetriebs

Malerbetriebe werden häufig unter Wert verkauft, weil der Inhaber mit Umsatz und Fahrzeugbestand argumentiert. Käufer rechnen anders: Sie kaufen ein Ergebnis, das ohne den bisherigen Chef weiterläuft.

Den Verkaufsprozess im Überblick beschreibt Malerbetrieb verkaufen, den Faktor im Detail Malerbetrieb Multiple.

Die Formel, mit der Käufer rechnen

Bewertungsformel

Bereinigtes EBIT × Faktor + nicht betriebsnotwendiges Vermögen − Nettofinanzverbindlichkeiten = Kaufpreis für 100 Prozent der Anteile

Bei Malerbetrieben ist die Substanz überschaubar: Fahrzeuge, Gerüste, Maschinen, Lager. Sie ist Teil des Betriebsvermögens und wird nicht zusätzlich vergütet, solange sie betriebsnotwendig ist.

Schritt 1: Ergebnis bereinigen

PositionBehandlungNachweis
Geschäftsführergehalt des Inhabersauf marktüblich anpassen, meist 85.000 bis 120.000 EuroGehaltsvergleich
Mitarbeitende Ehepartner im Büroauf marktübliche Vergütung anpassenLohnjournal
Betriebshalle im Privatvermögenauf ortsübliche Miete korrigierenMietspiegel
Private FahrzeugnutzungPrivatanteil herausrechnenFahrtenbuch
Einmalige Großaufträgegesondert ausweisenAuftragsabrechnung
Eigenleistungen an privaten Objektenals Ertrag korrigierenStundenaufschriebe

Zum Unternehmerlohn im Detail: Kalkulatorischer Unternehmerlohn in der Bewertung.

Schritt 2: Auftragsstruktur bewerten

AuftragsartBewertungswirkungWarum
Rahmenverträge mit Wohnungsgesellschaftenstark wertsteigerndPlanbar, wiederkehrend, unabhängig vom Chef
Instandhaltungsaufträge von HausverwaltungenwertsteigerndRegelmäßig, kalkulierbar
Aufträge von Generalunternehmern im NeubauneutralVolumen ja, Marge dünn, konjunkturabhängig
Privatkundengeschäft mit Stammkundenneutral bis leicht positivGute Marge, aber oft am Chef hängend
Ausschreibungsgeschäft über den Preisleicht wertminderndKein Bindungseffekt, Margenrisiko
Ein Auftraggeber über 30 Prozent UmsatzwertminderndKlumpenrisiko

Zur Streuung: Klumpenrisiken im Kundenstamm reduzieren. Zum Aufbau planbarer Umsätze: Wiederkehrende Umsätze aufbauen.

Schritt 3: Fahrzeuge, Gerüste, Lager

  • Fahrzeugalter und Restlaufzeiten von Leasingverträgen — ein überalterter Fuhrpark ist ein verdeckter Investitionsstau.
  • Gerüstbestand: Umfang, Zustand, Prüfnachweise.
  • Spezialmaschinen wie Airless-Geräte, Trockenbau- oder Fassadentechnik.
  • Materiallager: Bestand realistisch bewerten, Altbestände abschreiben.
  • Offene Forderungen und Gewährleistungsrückstellungen — beides prüft der Käufer genau.
  • Change-of-Control-Klauseln in Leasing- und Rahmenverträgen, siehe Change-of-Control prüfen.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Malerbetrieb mit 1,9 Millionen Euro Umsatz, 14 Mitarbeitenden, zwei Rahmenverträgen mit Wohnungsgesellschaften, Halle im Privatvermögen des Inhabers.

PositionBetrag in Euro
Ergebnis vor Steuern laut Jahresabschluss268.000
abzüglich marktübliches Geschäftsführergehalt− 105.000
zuzüglich private Kostenanteile+ 16.000
abzüglich Mietkorrektur auf ortsüblich− 21.000
abzüglich Sondereffekt Großauftrag− 24.000
Bereinigtes EBIT134.000
Faktor 4,8 (Rahmenverträge, Vorarbeiter vorhanden)643.200
zuzüglich nicht betriebsnotwendige Liquidität+ 70.000
abzüglich Fahrzeugdarlehen netto− 55.000
Realistische Kaufpreisspanne630.000 bis 700.000

Mit einem Betriebsleiter, der Kalkulation und Baustellensteuerung eigenständig verantwortet, wäre ein Faktor um 5,5 realistisch gewesen — rund 95.000 Euro mehr bei gleichem Ergebnis.

Typische Fehler bei der Selbsteinschätzung

  1. Den Fuhrpark als Wertargument nutzen. Er ist betriebsnotwendig und wird nicht zusätzlich bezahlt.
  2. Umsatz statt Ergebnis heranziehen. Zwei Betriebe mit gleichem Umsatz können sich im Wert um das Dreifache unterscheiden.
  3. Den eigenen Arbeitseinsatz auf der Baustelle nicht als Gehalt einrechnen.
  4. Gewährleistungsrisiken aus Fassadenarbeiten unterschätzen.
  5. Stammkundschaft als übertragbar annehmen, obwohl der Chef jeden Auftrag persönlich aufnimmt.

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Wie die Übergabe im Betrieb abläuft, zeigt der Text zur Nachfolge im Malerbetrieb.

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Häufige Fragen

Der Wert ergibt sich aus dem bereinigten Ergebnis mal einem Faktor von aktuell 3,8 bis 5,6 bei Betrieben unter 5 Millionen Euro Umsatz (Deutsche Unternehmerbörse, Stand Q2/2026), zuzüglich nicht betriebsnotwendigem Vermögen und abzüglich der Nettoverschuldung.

Nein, solange er betriebsnotwendig ist. Er steckt im Betriebsvermögen und damit im Faktor. Wertsteigernd wirkt er nur indirekt: Ein junger, gepflegter Fuhrpark erspart dem Käufer Investitionen und stützt den Preis.

In der Praxis bis zu einem halben Faktorpunkt, wenn er mehrjährig läuft und ein spürbarer Umsatzanteil daraus kommt. Voraussetzung ist, dass der Vertrag den Eigentümerwechsel übersteht.

Das hängt von der Schadenhistorie ab. Käufer sehen sich Reklamationen der letzten fünf Jahre an und bilden bei Auffälligkeiten einen Kaufpreiseinbehalt, häufig über eine Sicherheitseinbehalt- oder Garantieregelung.

Deckungsbeitrag je Kolonne, Auslastungsgrad, Materialquote, Stundenverrechnungssatz, Umsatzanteil der fünf größten Auftraggeber und Anteil wiederkehrender Aufträge.

Drei Jahresabschlüsse, die aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung, Auftragsliste mit Volumen und Auftraggebern, Anlagen- und Fuhrparkübersicht, Leasingverträge sowie eine Übersicht der Gewährleistungsfälle.