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Investitionsstau vor dem Verkauf: Welche Investitionen sich noch lohnen

Käufer rechnen einen Investitionsstau heraus und ziehen den Nachholbedarf vom Kaufpreis ab. Vor dem Verkauf lohnen sich vor allem Investitionen, die Risiken senken oder Pflichten erfüllen: sichere Fahrzeuge und Geräte, funktionierende Software, fällige Prüfungen. Große Investitionen in Wachstum überlassen Sie meist dem Käufer, weil sie sich vor dem Verkauf noch nicht im Gewinn zeigen.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

In den letzten Jahren vor dem Ruhestand investieren viele Inhaber kaum noch. Verständlich: Warum einen neuen Transporter kaufen, wenn man in drei Jahren aufhört? Der alte fährt ja noch. Die Software läuft seit 15 Jahren. Die Werkstattmaschinen sind abgeschrieben, aber zuverlässig.

Beim Verkauf holt Sie das ein. Ein Käufer sieht jedes Fahrzeug, jede Maschine und jedes Programm und rechnet aus, was er in den ersten Jahren nachkaufen muss. Diesen Betrag zieht er vom Preis ab, oft mit einem Sicherheitsaufschlag.

Definition

Ein Investitionsstau liegt vor, wenn notwendige Ersatz- und Erhaltungsinvestitionen über Jahre aufgeschoben wurden. Der dadurch entstandene Nachholbedarf muss vom Käufer nach dem Kauf finanziert werden und mindert deshalb den Kaufpreis.

Woran ein Käufer den Investitionsstau erkennt

  • Anlagenverzeichnis. Wenn fast alles abgeschrieben ist, sieht er sofort, wie alt der Bestand ist.
  • Niedrige Abschreibungen. Sie zeigen, dass seit Jahren wenig investiert wurde.
  • Fuhrpark. Alter, Kilometerstand, Zustand.
  • Software und Technik. Alte Programme ohne Wartung, Rechner, die niemand mehr ersetzen kann.
  • Gebäude und Werkstatt, wenn sie zum Betrieb gehören oder der Mietvertrag Instandhaltung verlangt.

Die Rechnung des Käufers

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten:

PositionNachholbedarf aus Käufersicht
4 von 7 Transportern älter als 12 Jahre160.000 €
Branchensoftware ohne Herstellerwartung25.000 €
Zwei Werkstattmaschinen am Ende der Lebensdauer40.000 €
Summe225.000 €
Sicherheitsaufschlag des Käufers, angenommen 20 %45.000 €
Abzug vom Kaufpreis270.000 €

Der Sicherheitsaufschlag ist der Punkt, den viele übersehen. Käufer rechnen bei Unsicherheit eher großzügig. Wer den Nachholbedarf selbst sauber beziffert, nimmt ihm diesen Spielraum.

Welche Investitionen sich vor dem Verkauf lohnen

InvestitionLohnt sich vor dem Verkauf?Warum
Fahrzeuge, die nicht mehr sicher oder zuverlässig sindJaAusfälle kosten Aufträge, Käufer rechnet sie sofort ab
Fällige Prüfungen und Wartungen an Geräten und AnlagenJaFehlende Nachweise wirken wie ein Risiko
Software ohne Wartung, auf der Aufträge und Abrechnung laufenMeist jaKäufer sieht ein Betriebsrisiko, siehe Digitalisierung als Werttreiber
Leasing statt Kauf bei FahrzeugenOft sinnvollWeniger Kapitalbindung, der Käufer übernimmt laufende Verträge
Neue Halle, größerer MaschinenparkMeist neinDer zusätzliche Gewinn zeigt sich erst Jahre später
Neues Geschäftsfeld kurz vor VerkaufMeist neinNoch nicht erprobt, Käufer bewertet es als unsicher

Ob ein bestimmtes Wachstum vor dem Verkauf sinnvoll ist, beschreibt der Artikel Wachsen vor dem Verkauf.

Investieren oder abziehen lassen?

Beide Wege können richtig sein. Es kommt auf den Vergleich an:

  1. Was kostet die Investition, wenn Sie sie jetzt selbst tätigen?
  2. Was würde der Käufer dafür vom Preis abziehen, inklusive Sicherheitsaufschlag?
  3. Verbessert die Investition den Gewinn oder senkt sie ein Risiko, bevor Sie verkaufen?

Wenn der Abzug höher wäre als die Investition oder die Investition den Betrieb spürbar sicherer macht, investieren Sie. Wenn nicht, legen Sie dem Käufer eine saubere Liste mit dem Nachholbedarf vor und verhandeln darüber. Steuerliche Fragen zu Zeitpunkt und Finanzierung von Investitionen klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Was ein Käufer lieber selbst entscheidet

Manche Investitionen will ein Käufer selbst entscheiden, weil sie zu seinen Plänen passen müssen. Dazu gehören Software, die er in allen seinen Betrieben einsetzt, Fahrzeugmodelle, die zu seinem Fuhrpark passen, und größere Umbauten am Standort. Wenn eine Investorengruppe oder ein Wettbewerber als Käufer in Frage kommt, fragen Sie vor großen Anschaffungen, ob er sie überhaupt braucht. Sonst zahlen Sie für etwas, das er ersetzt.

Die Investitionsliste als Verhandlungsunterlage

Legen Sie eine Liste an: jedes Fahrzeug, jede größere Maschine, jede wichtige Software mit Alter, Zustand und geschätztem Ersatzzeitpunkt. Mit dieser Liste zeigen Sie einem Käufer, dass Sie den Betrieb kennen, und begrenzen seinen Spielraum für pauschale Abschläge. Die Liste gehört in die Unterlagen, die Sie ohnehin für die Prüfung vorbereiten, siehe Saubere Finanzreports vor dem Verkauf.

Wie Käufer Maschinenpark und Werkstatt in kapitalintensiven Gewerken bewerten, zeigen Schreinerei verkaufen und Zimmerei verkaufen.

Merksatz

Ein Käufer zieht jeden aufgeschobenen Euro vom Preis ab, meist mit Aufschlag. Investieren Sie vor dem Verkauf in Sicherheit und Zuverlässigkeit, und überlassen Sie Wachstum dem Käufer.

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Quellen

  • Rechenbeispiel mit angenommenen Werten.

Häufige Fragen

In Sicherheit, Zuverlässigkeit und fällige Pflichten meist ja: Fahrzeuge, die ausfallen könnten, fällige Prüfungen, Software ohne Wartung. In große Wachstumsprojekte meist nein, weil der zusätzliche Gewinn vor dem Verkauf noch nicht sichtbar ist.

Den geschätzten Nachholbedarf für die ersten Jahre, oft mit einem Sicherheitsaufschlag. Wie hoch der ausfällt, hängt davon ab, wie gut Sie den Bestand dokumentiert haben. Eine eigene Investitionsliste begrenzt pauschale Abschläge.

Am Anlagenverzeichnis mit weitgehend abgeschriebenen Gütern, an niedrigen Abschreibungen über mehrere Jahre, am Zustand des Fuhrparks und an veralteter Software. Das sieht er in den ersten Wochen der Prüfung.

Bei Fahrzeugen oft, weil weniger Kapital gebunden ist und der Käufer laufende Verträge übernehmen kann. Ob und wie sich das in Ihrem Fall rechnet und wie Leasingverträge bei der Bewertung behandelt werden, klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Zwei bis drei Jahre vor dem Verkauf. Dann sind sie in den Jahresabschlüssen sichtbar, der Betrieb läuft stabil, und der Käufer sieht keinen Nachholbedarf mehr.

Über die Abschreibungen ja, verteilt über die Nutzungsdauer. Käufer schauen aber oft auf den Gewinn vor Abschreibungen oder bereinigen ihn. Wie sich eine Investition steuerlich und in der Bewertung auswirkt, rechnet Ihr Steuerberater mit Ihnen durch.

Er findet ihn ohnehin in der Prüfung. Wer ihn selbst beziffert, begrenzt pauschale Abschläge und wirkt glaubwürdig. Was Sie rechtlich offenlegen müssen, klärt Ihr Anwalt.

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