Verkaufsprozess 6 Min Lesezeit

Mitarbeiter über den Firmenverkauf informieren: Zeitpunkt, Reihenfolge, Wortlaut

Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über den Verkauf, sobald der Käufer feststeht und die Übergabe planbar ist, in fester Reihenfolge: zuerst die Schlüsselpersonen einzeln, am selben Tag das ganze Team in einer Betriebsversammlung, danach die wichtigsten Kunden. Sagen Sie, was sich ändert, was bleibt und was Sie noch nicht wissen.

Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.

Viele Inhaber fürchten dieses Gespräch mehr als die Verhandlung mit dem Käufer. Verständlich. Manche Mitarbeiter sind seit 20 Jahren dabei. Sie haben den Betrieb mit aufgebaut. Und jetzt sollen sie erfahren, dass der Chef geht.

Das Gespräch lässt sich nicht vermeiden. Aber es lässt sich so führen, dass die Leute bleiben. Das zählt beim Verkauf doppelt, denn ein Käufer kauft vor allem Ihre Fachkräfte.

Definition

Die Information der Mitarbeiter über einen Verkauf ist die geplante Mitteilung an die Belegschaft, dass der Betrieb einen neuen Inhaber bekommt. Sie folgt einer festen Reihenfolge und einem abgestimmten Wortlaut, damit niemand die Nachricht über Gerüchte erfährt.

Ein Hinweis vorab: Bei einem Betriebsübergang gibt es gesetzliche Informationspflichten gegenüber den Mitarbeitern. Wer wann schriftlich was erfahren muss, klärt Ihr Anwalt. Dieser Artikel behandelt das Gespräch. Was rechtlich zum Schutz der Mitarbeiter gilt, steht unter Mitarbeiter beim Verkauf schützen.

Der richtige Zeitpunkt

PhaseWer weiß BescheidWarum
Vorbereitung, 1 bis 3 Jahre vorherNur Sie, Ihre Familie, eventuell Ihr StellvertreterSie bauen den Betrieb um, ohne Unruhe
KäufersucheZusätzlich eine bis zwei Vertrauenspersonen, die Sie für die Prüfung brauchenDer Käufer will Schlüsselpersonen kennenlernen
Käufer steht fest, Übergabe planbarDas ganze TeamJetzt können Sie konkrete Antworten geben

Zu früh ist schlecht, weil Sie auf die wichtigsten Fragen noch keine Antwort haben. Zu spät ist schlimmer, weil die Nachricht dann über Umwege kommt. In kleinen Betrieben bleibt ein Käuferbesuch selten unbemerkt.

Die Reihenfolge am Tag X

  1. Morgens: Schlüsselpersonen einzeln. Meister, Bauleiter, Bürochefin. Jeder in einem eigenen Gespräch, zehn bis zwanzig Minuten. Sie sollen merken, dass Sie sie zuerst und persönlich informieren.
  2. Mittags: Betriebsversammlung. Alle, am besten zu einer Zeit, in der niemand auf der Baustelle ist. Wer fehlt, bekommt noch am selben Tag einen Anruf von Ihnen.
  3. Nachmittags: schriftliche Kurzinfo. Aushang oder Nachricht an alle, damit niemand später etwas anderes erzählt.
  4. In den Tagen danach: wichtige Kunden und Lieferanten. Wie, steht unter Kunden über die Betriebsübergabe informieren.

Alles an einem Tag. Wenn zwischen Schlüsselpersonen und Team drei Tage liegen, weiß das Team es trotzdem vorher.

Was die Leute wirklich wissen wollen

Egal wie gut Ihre Rede ist, im Kopf der Mitarbeiter laufen fünf Fragen ab:

Frage im KopfWas Sie sagen können
Behalte ich meinen Arbeitsplatz?Was der Käufer zugesagt hat und was er vorhat
Bleibt mein Lohn?Dass bestehende Arbeitsverträge weiterlaufen, soweit das zutrifft
Wer ist ab wann mein Chef?Name, Hintergrund, Datum
Bleibt der Standort?Was geplant ist, ehrlich
Was ist mit Ihnen?Wie lange Sie bleiben und in welcher Rolle

Beantworten Sie jede Frage, zu der Sie eine Antwort haben. Wo Sie keine haben, sagen Sie das.

Vorlage: Ihre Ansprache in der Betriebsversammlung

Vorlage

„Ich habe euch zusammengerufen, weil ich euch etwas Wichtiges sagen will, und ihr sollt es von mir hören.

Ich bin jetzt 63. Seit Jahren beschäftigt mich die Frage, wie es mit dem Betrieb weitergeht, wenn ich aufhöre. Ich habe mich entschieden: Der Betrieb bekommt einen neuen Inhaber. Das ist [Name], [kurz: wer das ist und was er oder sie macht]. Die Übergabe ist zum [Datum] geplant.

Was für euch wichtig ist: Eure Arbeitsverträge laufen weiter. Der Standort bleibt. [Name] hat den Betrieb gekauft, weil er euch und eure Arbeit will. Ich bleibe noch bis [Zeitraum] im Betrieb und helfe bei der Übergabe.

Ich weiß, dass das viele Fragen aufwirft. Einige kann ich heute beantworten, andere noch nicht. Ihr könnt jederzeit zu mir kommen. In zwei Wochen machen wir ein zweites Treffen, da ist [Name] dabei und stellt sich vor.

Danke euch. Ohne euch gäbe es diesen Betrieb nicht, und deshalb gibt es ihn auch weiter.“

Passen Sie Alter, Namen und Daten an und streichen Sie jeden Satz, der nicht stimmt. Sagen Sie „Sie“ statt „ihr“, wenn das in Ihrem Betrieb üblich ist.

Vorlage: schriftliche Kurzinfo für alle

Vorlage

Information an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wie heute in der Versammlung besprochen: Unser Betrieb bekommt zum [Datum] einen neuen Inhaber, [Name]. Die bestehenden Arbeitsverträge laufen weiter, der Standort bleibt. [Inhabername] bleibt bis [Zeitraum] im Betrieb. Am [Datum] stellt sich [Name] in einem zweiten Treffen vor. Fragen bitte direkt an [Inhabername] oder [Stellvertreter].

Was Sie nicht versprechen sollten

  • „Es ändert sich nichts.“ Es ändert sich immer etwas. Wer das verspricht, verliert beim ersten neuen Formular seine Glaubwürdigkeit.
  • Zusagen, die nur der Käufer geben kann. Etwa zu Löhnen in zwei Jahren oder zu Beförderungen.
  • Dass Sie „immer erreichbar“ bleiben. Das untergräbt den neuen Chef.

Wenn es schon Gerüchte gibt

Dann reden Sie früher, auch wenn noch nicht alles feststeht. Sagen Sie, was stimmt: dass Sie sich mit der Nachfolge beschäftigen und dass es Gespräche gibt. Sagen Sie, wann Sie mehr wissen. Schweigen wirkt in solchen Momenten wie eine Bestätigung des schlimmsten Gerüchts.

Wie Sie bis zu diesem Tag vertraulich bleiben, steht unter Firmenverkauf diskret vorbereiten.

Merksatz

Mitarbeiter verzeihen Ihnen, dass Sie verkaufen. Sie verzeihen selten, es als Letzte erfahren zu haben.

Bereit für die ehrliche Bestandsaufnahme?

Sie sagen, wo Ihr Betrieb steht. Ich sage Ihnen ehrlich, was ihn heute verkäuflich macht — und was in 12 bis 24 Monaten realistisch ist. Kostenlos, ohne Provision.

Quellen

  • Eigene Methodik MAXIMAL.DIGITAL. Gesetzliche Informationspflichten beim Betriebsübergang sind nicht Gegenstand dieses Artikels und mit einem Anwalt zu klären.

Häufige Fragen

Wenn der Käufer feststeht und Sie die wichtigsten Fragen beantworten können: neuer Chef, Datum, Arbeitsverträge, Standort und Ihre Rolle. Vorher wissen nur die wenigen Personen Bescheid, die Sie für die Prüfung durch den Käufer brauchen.

Die Vorlage für die schriftliche Kurzinfo oben enthält alles Nötige: neuer Inhaber, Datum, weiterlaufende Arbeitsverträge, Standort, Ihre Übergangszeit und einen Ansprechpartner für Fragen. Ergänzen Sie Namen und Daten und streichen Sie, was bei Ihnen nicht zutrifft.

Zuerst die Schlüsselpersonen einzeln, am selben Tag das ganze Team, danach am selben oder nächsten Tag die wichtigsten Kunden und Lieferanten. Alles innerhalb von ein bis zwei Tagen, damit niemand die Nachricht über Dritte erfährt.

Sagen Sie konkret, was der Käufer zugesagt hat, und bieten Sie ein zweites Treffen mit dem neuen Inhaber an. Einzelgespräche mit besonders besorgten Mitarbeitern helfen. Versprechen Sie nichts, was nur der Käufer halten kann.

Bei einem Betriebsübergang gibt es gesetzliche Informationspflichten. Wer wann was schriftlich erhalten muss, klärt Ihr Anwalt. Unabhängig davon empfiehlt sich am Tag der Betriebsversammlung eine kurze schriftliche Info für alle.

Indem Sie sie vorher einzeln informieren, ihnen eine klare Rolle beim neuen Inhaber zeigen und sie früh mit dem Käufer zusammenbringen. Manche Käufer vereinbaren mit Schlüsselpersonen eine Prämie für den erfolgreichen Übergang. Mehr unter Schlüsselpersonen absichern.

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