Was ist ein Betrieb mit 10 Mitarbeitern wert? Warum die Größe allein nichts sagt
Einen festen Preis pro Mitarbeiter gibt es nicht. Käufer rechnen mit dem bereinigten Gewinn mal einem Faktor, der vom Risiko abhängt. Drei Betriebe mit je zehn Mitarbeitern können deshalb zwischen wenigen hunderttausend Euro und über einer Million wert sein. Die Größe wirkt indirekt: Kleinere Betriebe erzielen meist niedrigere Faktoren, weil mehr an einzelnen Personen hängt.
Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.
„Was ist ein Betrieb wie meiner wert?“ Die Frage kommt fast immer mit einer Größenangabe: zehn Mitarbeiter, zwei Millionen Umsatz. Die ehrliche Antwort: Aus diesen beiden Zahlen lässt sich der Wert nicht ablesen. Zwei Betriebe mit gleicher Mitarbeiterzahl können sich im Wert um das Drei- oder Vierfache unterscheiden.
Warum das so ist und wie Sie Ihren Wert trotzdem eingrenzen, zeigt dieser Artikel.
Definition
Der Unternehmenswert eines kleinen Betriebs ergibt sich aus dem Gewinn, den ein Käufer künftig erwarten kann, und dem Risiko, dass dieser Gewinn ausbleibt. Die Mitarbeiterzahl beeinflusst beides, bestimmt aber keines davon allein.
Drei Betriebe, je zehn Mitarbeiter
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten:
| Betrieb A | Betrieb B | Betrieb C | |
|---|---|---|---|
| Mitarbeiter | 10 | 10 | 10 |
| Umsatz | 1,4 Mio. € | 1,4 Mio. € | 1,4 Mio. € |
| Bereinigtes EBIT | 60.000 € | 150.000 € | 220.000 € |
| Hängt am Inhaber | stark | mittel | gering, Meister führt |
| Wartungsverträge | kaum | einige | viele |
| Angenommener Faktor | 3,0 | 3,8 | 4,8 |
| Unternehmenswert | 180.000 € | 570.000 € | 1.056.000 € |
Gleiche Größe, gleicher Umsatz. Betrieb C ist fast sechsmal so viel wert wie Betrieb A. Zwei Dinge machen den Unterschied: der Gewinn und das Risiko. Die Faktoren sind angenommen, sie sind keine Marktwerte.
Warum der Gewinn zählt
Ein Käufer kauft den künftigen Gewinn. Zehn Mitarbeiter, die kaum Überschuss erwirtschaften, sind für ihn ein Kostenblock. Dieselben zehn Mitarbeiter mit guter Auslastung und fairen Preisen sind eine Ertragsquelle.
Wichtig ist dabei der bereinigte Gewinn. Dafür wird Ihr ausgewiesener Gewinn um Einmaleffekte und private Kosten korrigiert, und es wird ein marktübliches Gehalt für die Geschäftsführung abgezogen. Bei kleinen Betrieben schrumpft der Gewinn dadurch oft deutlich, weil viele Inhaber sich weniger zahlen, als ein angestellter Geschäftsführer kosten würde. Wie das geht, steht unter EBITDA bereinigen und kalkulatorischer Unternehmerlohn.
Was die Größe trotzdem bewirkt
Größe wirkt über das Risiko. In einem Betrieb mit zehn Mitarbeitern hängt mehr an einzelnen Personen als in einem mit fünfzig. Fällt der Meister aus oder kündigt ein großer Kunde, trifft das den kleinen Betrieb härter. Deshalb erzielen kleinere Betriebe in der Regel niedrigere Faktoren als größere. Marktübersichten wie die KMU-Multiples der Deutschen Unternehmerbörse weisen deshalb eigene Spannen für kleine Unternehmen aus.
Das heißt aber auch: Ein kleiner Betrieb kann den Größennachteil ausgleichen, wenn er das Risiko senkt. Betrieb C im Beispiel zeigt, wie das aussieht.
| Risiko in kleinen Betrieben | Wie Sie es senken |
|---|---|
| Alles hängt am Inhaber | Inhaberabhängigkeit reduzieren |
| Ein Kunde macht einen großen Teil des Umsatzes | Klumpenrisiken im Kundenstamm |
| Keine planbaren Umsätze | Wartungsverträge ausbauen |
| Wenige Fachkräfte, die bald in Rente gehen | Altersstruktur der Belegschaft |
Wie Sie Ihren Wert eingrenzen
- Bereinigten Gewinn der letzten drei Jahre ermitteln. Mit Ihrem Steuerberater, inklusive marktüblichem Geschäftsführergehalt.
- Durchschnitt bilden. Käufer schauen auf mehrere Jahre.
- Branchenspanne für den Faktor nachschlagen. Etwa auf unseren Seiten zu Multiples, zum Beispiel EBITDA-Multiples im Handwerk.
- Ihre Position in der Spanne ehrlich einschätzen. Mit hoher Inhaberabhängigkeit am unteren Ende, mit eigener Führung und wiederkehrenden Umsätzen weiter oben.
- Schulden abziehen, überschüssige Liquidität hinzurechnen. Daraus wird der Kaufpreis, siehe Cash-free, debt-free.
Eine schnelle erste Einordnung liefert der Firmenwert-Rechner. Für eine belastbare Zahl brauchen Sie eine Bewertung durch einen Fachmann, bei Handwerksbetrieben etwa durch die Betriebsberater der Handwerkskammer.
Wenn der Wert niedriger ist als gedacht
Das ist bei kleinen Betrieben häufig, vor allem wenn der bereinigte Gewinn nach Abzug eines Geschäftsführergehalts klein wird. Dann haben Sie zwei Wege: den Gewinn steigern und das Risiko senken, bevor Sie verkaufen. Der Plan dafür steht unter Unternehmenswert steigern. Oder Sie verkaufen an einen Käufer, für den Ihr Betrieb mehr wert ist als für andere, etwa einen Wettbewerber, der Ihre Fachkräfte braucht.
Wie stark sich ein marktübliches Geschäftsführergehalt auf Ihren Gewinn auswirkt, zeigt der Unternehmerlohn-Rechner.
Merksatz
Käufer bezahlen Gewinn und Sicherheit. Die Mitarbeiterzahl verrät davon wenig, bis man weiß, was die Mitarbeiter verdienen und ob sie ohne den Chef arbeiten.
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Quellen
- Rechenbeispiel mit angenommenen Werten.
- DUB KMU-Multiples, Deutsche Unternehmerbörse