Glossar Unternehmensnachfolge: Die wichtigsten Begriffe in klarer Sprache
Dieses Glossar erklärt 40 Begriffe, die Inhabern beim Verkauf oder der Übergabe ihres Betriebs begegnen, in einfachen Worten. Die Begriffe sind in vier Gruppen sortiert: Bewertung, Käufer und Finanzierung, Verkaufsprozess sowie Betrieb und Übergabefähigkeit. Zu fast jedem Begriff führt ein Link auf die ausführliche Erklärung.
Hinweis: Artikel und Inhalte sind keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzen keine Beratung durch Rechts- und Steuerexperten.
Wer seinen Betrieb verkaufen will, trifft auf eine eigene Sprache. Berater sprechen von EBIT-Multiples, Käufer von Due Diligence, Banken von Kapitaldienstdeckung. Vieles davon ist einfacher, als es klingt. Dieses Glossar übersetzt die wichtigsten Begriffe in klare Sätze.
Definition
Ein Glossar ist ein Verzeichnis von Fachbegriffen mit kurzen Erklärungen. Dieses Glossar beschränkt sich auf Begriffe, die Inhabern kleiner und mittlerer Betriebe bei Vorbereitung, Bewertung und Verkauf tatsächlich begegnen.
Bewertung
AWH-Standard
Das Bewertungsverfahren der Betriebsberater im Handwerk, mit dem die Handwerkskammern den Wert von Handwerksbetrieben ermitteln. Es beruht auf dem Ertragswert und berücksichtigt handwerkstypische Risiken wie die Abhängigkeit vom Inhaber.
Bereinigter Gewinn
Der Gewinn, mit dem ein Käufer rechnet: der ausgewiesene Gewinn ohne einmalige und private Posten und nach Abzug eines marktüblichen Gehalts für die Geschäftsführung. Berechnen können Sie ihn mit dem Unternehmerlohn-Rechner.
EBIT
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Es zeigt, was der Betrieb aus seinem Geschäft erwirtschaftet, unabhängig davon, wie er finanziert ist.
EBITDA
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es wird häufig für Bewertungen genutzt, blendet aber aus, dass Maschinen und Fahrzeuge irgendwann ersetzt werden müssen. Wie es bereinigt wird, steht unter EBITDA bereinigen.
Ertragswertverfahren
Ein Bewertungsverfahren, das den Wert eines Betriebs aus den künftig erwarteten Erträgen ableitet. Diese Erträge werden mit einem Kapitalisierungszins auf heute abgezinst.
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Das Gehalt, das ein angestellter Geschäftsführer für die Arbeit des Inhabers bekommen würde. Käufer ziehen ihn vom Gewinn ab. Mehr unter kalkulatorischer Unternehmerlohn.
Kapitalisierungszins
Der Zinssatz, mit dem künftige Erträge im Ertragswertverfahren auf heute abgezinst werden. Er enthält einen Zuschlag für das Risiko. Je höher das Risiko, desto höher der Zins und desto niedriger der Wert.
Kaufpreisfaktor
Der Multiplikator, mit dem ein Käufer den bereinigten Gewinn in einen Unternehmenswert umrechnet. Er hängt von Branche, Größe und Risiko ab.
Multiple
Anderes Wort für Kaufpreisfaktor, meist bezogen auf EBIT oder EBITDA. Branchenspannen zeigt die Seite EBITDA-Multiples im Handwerk.
Cash-free, debt-free
Eine übliche Vereinbarung, nach der ein Betrieb ohne Schulden und ohne überschüssige Liquidität bewertet wird. Schulden werden vom Unternehmenswert abgezogen, überschüssiges Geld wird hinzugerechnet. Mehr unter Cash-free, debt-free.
Nettofinanzverbindlichkeiten
Die Schulden eines Betriebs abzüglich seiner flüssigen Mittel. Sie sind der Betrag, um den der Kaufpreis bei einer Vereinbarung nach dem Prinzip cash-free, debt-free vom Unternehmenswert abweicht.
Deckungsbeitrag
Umsatz minus die Kosten, die direkt durch einen Auftrag oder Kunden entstehen. Er zeigt, was ein Kunde zur Deckung der Gemeinkosten und zum Gewinn beiträgt. Mehr unter Unrentable Kunden erkennen.
Wiederkehrende Umsätze
Umsätze, die ohne neuen Auftrag regelmäßig wiederkommen, etwa aus Wartungsverträgen. Sie senken das Risiko für den Käufer und heben den Faktor. Mehr unter Wartungsverträge und Firmenwert.
Klumpenrisiko
Das Risiko, das entsteht, wenn ein großer Teil des Umsatzes an wenigen Kunden hängt. Mehr unter Klumpenrisiken im Kundenstamm.
Investitionsstau
Aufgeschobene Ersatzinvestitionen in Fahrzeuge, Maschinen oder Software. Käufer ziehen den Nachholbedarf vom Preis ab. Mehr unter Investitionsstau vor dem Verkauf.
Käufer und Finanzierung
MBO (Management-Buy-Out)
Der Kauf eines Betriebs durch Personen, die bereits darin arbeiten, etwa den Meister oder den Betriebsleiter. Mehr unter Betrieb an Mitarbeiter übergeben.
MBI (Management-Buy-In)
Der Kauf eines Betriebs durch eine Person von außen, die ihn anschließend selbst führt.
Strategischer Käufer
Ein Unternehmen, das einen Betrieb kauft, um sein eigenes Geschäft zu ergänzen, etwa ein Hersteller, Großhändler oder Wettbewerber.
Finanzinvestor
Ein Investor, der Betriebe kauft, um sie weiterzuentwickeln und nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Im Handwerk meist über Unternehmensgruppen.
Buy-and-Build
Ein Vorgehen, bei dem ein Investor einen Betrieb als Basis kauft und weitere hinzukauft, um eine größere Gruppe aufzubauen. Mehr unter An einen Investor verkaufen.
Rückbeteiligung
Der Verkäufer erhält nur einen Teil des Kaufpreises ausgezahlt und legt den Rest als Anteil an der Käufergruppe an. Ihr Wert hängt vom späteren Verkauf der Gruppe ab.
Verkäuferdarlehen
Ein Teil des Kaufpreises, den der Verkäufer stundet und in Raten mit Zinsen erhält. Es erleichtert die Finanzierung für den Käufer. Mehr unter Verkäuferdarlehen.
Earn-Out
Ein Teil des Kaufpreises, der erst später gezahlt wird und von der Entwicklung des Betriebs nach dem Verkauf abhängt, etwa vom Gewinn. Mehr unter Earn-Out-Klausel.
Kapitaldienst
Die Summe aus Zins und Tilgung, die für Darlehen in einem Jahr fällig wird.
Kapitaldienstdeckung
Das Verhältnis zwischen dem Geld, das für Zins und Tilgung zur Verfügung steht, und dem fälligen Kapitaldienst. Prüfen können Sie sie mit dem Finanzierbarkeits-Rechner.
Verkaufsprozess
Kurzprofil (Teaser)
Eine anonyme, einseitige Beschreibung des Betriebs, die Interesse wecken soll, ohne dass man den Betrieb erkennt. Mehr unter Kurzprofil für den Firmenverkauf.
Exposé
Eine ausführliche Beschreibung des Betriebs mit Zahlen, Kunden- und Mitarbeiterstruktur, die Interessenten erst nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung erhalten.
Vertraulichkeitsvereinbarung
Ein Vertrag, in dem sich ein Interessent verpflichtet, erhaltene Informationen vertraulich zu behandeln. Auch NDA genannt, nach dem englischen Non-Disclosure Agreement.
Absichtserklärung
Ein Schreiben, in dem Käufer und Verkäufer die wichtigsten Eckpunkte eines geplanten Kaufs festhalten, bevor die ausführliche Prüfung beginnt. Auch Letter of Intent genannt.
Due Diligence
Die gründliche Prüfung eines Betriebs durch den Käufer vor dem Kauf: Zahlen, Verträge, Mitarbeiter, Kunden, Risiken. Was dabei zu Schlüsselpersonen geprüft wird, steht unter HR Due Diligence.
Datenraum
Ein geschützter Online-Speicher, in dem Unterlagen für die Prüfung durch den Käufer bereitgestellt werden.
Asset Deal
Ein Verkauf, bei dem der Käufer einzelne Wirtschaftsgüter kauft, etwa Maschinen, Fahrzeuge und Kundenverträge. Welche Form für Sie passt, klären Sie mit Steuerberater und Anwalt.
Share Deal
Ein Verkauf, bei dem der Käufer die Anteile an der Gesellschaft kauft, zum Beispiel an einer GmbH. Der Betrieb bleibt als Gesellschaft bestehen, nur der Eigentümer wechselt.
Unternehmensbörse
Eine Plattform, auf der Betriebe anonym angeboten und Kaufgesuche eingestellt werden, etwa nexxt-change. Mehr unter Unternehmensbörse fürs Handwerk.
Betrieb und Übergabefähigkeit
Inhaberabhängigkeit
Der Zustand, in dem Umsatz, Kunden, Kalkulation oder Entscheidungen überwiegend an der Person des Inhabers hängen. Käufer ziehen sie vom Preis ab. Mehr unter Inhaberabhängigkeit reduzieren.
Key-Person-Risiko
Das Risiko, dass ein Betrieb an Wert verliert, wenn eine einzelne Schlüsselperson ausfällt. Bei kleinen Betrieben ist das meist der Inhaber.
Übergabefähigkeit
Die Fähigkeit eines Betriebs, ohne den bisherigen Inhaber weiterzulaufen. Mehr unter Übergabefähigkeit testen.
Exit-Readiness
Der Grad, in dem ein Betrieb bereit für einen Verkauf ist: übergabefähig, mit sauberen Zahlen und geringen Risiken für einen Käufer. Prüfen können Sie das mit dem Exit-Readiness-Selbstcheck.
Zweite Führungsebene
Führungskräfte unterhalb des Inhabers, die eigene Bereiche verantworten. Mehr unter Zweite Führungsebene aufbauen.
Nachkalkulation
Der Vergleich zwischen kalkulierten und tatsächlichen Kosten eines Auftrags nach seinem Abschluss. Sie zeigt, ob die Kalkulation stimmt. Mehr unter Kalkulation abgeben.
Merksatz
Hinter den meisten Fachbegriffen im Firmenverkauf stehen zwei einfache Fragen: Wie viel Gewinn bleibt übrig, und wie sicher ist er ohne den Inhaber?
Bereit für die ehrliche Bestandsaufnahme?
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Quellen
- Eigene Zusammenstellung MAXIMAL.DIGITAL. Rechtliche und steuerliche Begriffe sind vereinfacht erklärt und ersetzen keine Beratung.