Inhaberabhängigkeit 5 Min Lesezeit

Betriebsleiter einstellen: Wenn im Team niemand Sie vertreten kann

Ein externer Betriebsleiter lohnt sich, wenn im Team niemand die Führung übernehmen kann und der Betrieb verkauft werden soll. Rechnen Sie mit sechs Monaten Suche und sechs bis zwölf Monaten Einarbeitung. Die Kosten holen Sie oft über einen höheren Kaufpreis zurück, weil der Betrieb danach ohne Sie läuft.

Sie haben sich Ihr Team angeschaut und ehrlich gefragt, wer Sie vertreten könnte. Die Antwort war: niemand. Der Meister ist ein hervorragender Techniker, will aber keine Personalgespräche führen. Die Bürochefin kennt die Zahlen, aber nicht die Baustellen. Dann bleibt ein Weg: jemanden von außen holen.

Viele Inhaber scheuen diesen Schritt. Ein Betriebsleiter kostet Geld, bevor er etwas bringt. Und er verändert das Gefüge im Betrieb. Beides stimmt. Trotzdem ist er oft der schnellste Weg zu einem Betrieb, der ohne den Chef läuft.

Definition

Ein Betriebsleiter ist eine angestellte Führungskraft, die das operative Tagesgeschäft eines Betriebs verantwortet: Personal, Einsatzplanung, Kalkulation und Kunden im Rahmen festgelegter Befugnisse. Er führt den Betrieb, gehört ihm aber nicht.

Wann sich ein externer Betriebsleiter lohnt

LageBetriebsleiter von außen sinnvoll?
Im Team gibt es eine geeignete PersonEher nein, Stellvertreter aufbauen
Niemand im Team will oder kann führenJa
Verkauf in drei bis fünf Jahren geplantJa, gut planbar
Verkauf in unter zwölf Monaten geplantSelten, die Einarbeitung wird nicht mehr sichtbar
Betrieb unter etwa 8 Mitarbeitern mit knappem GewinnMeist zu teuer, eher Aufgaben im Team verteilen
Gesundheit zwingt Sie zum KürzertretenJa, oft die einzige Lösung

Der Zeitpunkt zählt. Ein Käufer will sehen, dass der Betriebsleiter mindestens ein Geschäftsjahr erfolgreich geführt hat. Wer ihn sechs Monate vor dem Verkauf einstellt, verkauft ein Versprechen.

Was ein Betriebsleiter kostet und was er bringt

Das Gehalt hängt von Region, Branche und Verantwortung ab. Holen Sie sich dazu aktuelle Vergleichswerte aus Stellenanzeigen in Ihrer Region oder über Ihren Verband.

Die Rechnung dahinter sieht so aus. Alle Werte sind angenommen:

PositionBetrag
Jährliche Kosten Betriebsleiter inklusive Nebenkosten95.000 €
Entlastung bei Ihnen, Sie ziehen sich schrittweise zurückwird im bereinigten Gewinn ohnehin mit einem marktüblichen Geschäftsführergehalt angesetzt
Bereinigtes EBIT280.000 €
Angenommener Faktor ohne Betriebsleiter3,5
Angenommener Faktor mit erprobtem Betriebsleiter4,5
Unternehmenswert ohne980.000 €
Unternehmenswert mit1.260.000 €

Wichtig ist die zweite Zeile. Käufer rechnen bei der Bewertung ohnehin ein Gehalt für die Geschäftsführung ein, weil Sie nach dem Verkauf nicht mehr umsonst arbeiten. Wie das funktioniert, steht unter kalkulatorischer Unternehmerlohn. Ein Betriebsleiter senkt den Gewinn deshalb meist weniger stark, als es auf den ersten Blick aussieht, und hebt den Faktor.

Wen Sie suchen

Beschreiben Sie die Stelle nach den Aufgaben, die heute nur Sie erledigen. Typisch sind:

  • Einsatzplanung und Führung der Monteure
  • Kalkulation und Angebote bis zu einer Betragsgrenze
  • Betreuung der wichtigsten Kunden
  • Personalgespräche, Einstellungen im Rahmen
  • Monatliche Zahlen mit Büro und Steuerberater

Gute Kandidaten kommen oft aus größeren Betrieben derselben Branche, wo sie als Projektleiter, Niederlassungsleiter oder Bauleiter gearbeitet haben. Ein Meistertitel oder Techniker ist in den meisten Gewerken ein Vorteil. Ob Ihr Betrieb für die Eintragung in die Handwerksrolle eine bestimmte Qualifikation beim Betriebsleiter braucht, klären Sie mit Ihrer Handwerkskammer.

Ein Punkt, den viele übersehen: Fragen Sie im Vorstellungsgespräch offen, ob sich die Person vorstellen kann, später am Betrieb beteiligt zu sein oder ihn zu übernehmen. Ein Betriebsleiter mit dieser Perspektive ist ein möglicher Käufer. Wie das aussehen kann, steht unter Betrieb an Mitarbeiter übergeben.

Die Einarbeitung in zwölf Monaten

ZeitraumWas passiert
Monat 1 bis 2Mitlaufen, alle Kunden und Baustellen kennenlernen, Team einzeln kennenlernen
Monat 3 bis 4Einsatzplanung übernehmen, erste Angebote parallel kalkulieren
Monat 5 bis 8Befugnisse schriftlich, Kundentermine allein, erste Abwesenheit von Ihnen
Monat 9 bis 12Volle Verantwortung im Tagesgeschäft, Sie sind nur noch für Grundsatzfragen da

Die Befugnisse legen Sie schriftlich fest, mit Betragsgrenzen. Ein Muster steht unter Stellvertreter aufbauen.

Warum Betriebsleiter scheitern

Der Inhaber lässt ihn nicht führen. Der häufigste Grund. Wer einen Betriebsleiter einstellt und weiter jede Entscheidung trifft, verliert ihn nach einem Jahr.

Das Team umgeht ihn. Alte Mitarbeiter kommen weiter zu Ihnen. Schicken Sie sie freundlich und konsequent zum Betriebsleiter.

Die Rolle ist unklar. Ohne schriftliche Befugnisse weiß niemand, was er darf. Dann entscheidet im Zweifel wieder der Chef.

Es fehlt eine Perspektive. Gute Leute bleiben, wenn sie wissen, was nach dem Verkauf aus ihnen wird. Sprechen Sie das früh an. Eine Prämie für einen gelungenen Übergang ist ein häufiger Weg. Die Gestaltung klären Sie mit Steuerberater und Anwalt.

Merksatz

Ein Betriebsleiter kostet Gehalt. Ein Betrieb, der ohne Führung dasteht, kostet beim Verkauf ein Vielfaches davon.

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Quellen

  • Rechenbeispiel mit angenommenen Werten. Gehälter und Faktoren sind betriebs- und branchenabhängig.

Häufige Fragen

Wenn Sie in drei bis fünf Jahren verkaufen wollen und niemand im Team führen will oder kann, meist ja. Planen Sie sechs Monate für die Suche und sechs bis zwölf Monate für die Einarbeitung ein. Der Käufer will mindestens ein Geschäftsjahr unter dem Betriebsleiter sehen.

Unter etwa acht Mitarbeitern mit knappem Gewinn oft nicht. Dann ist es sinnvoller, Aufgaben im Team zu verteilen. Ab etwa zehn Mitarbeitern und einem soliden Gewinn rechnet sich ein Betriebsleiter häufig über den höheren Kaufpreis.

In größeren Betrieben derselben Branche, bei Projektleitern, Bauleitern und Niederlassungsleitern. Stellenanzeigen, Branchenverbände, persönliche Kontakte zu Großhändlern und spezialisierte Personalberater sind die üblichen Wege.

Das hängt vom Gewerk und von der Eintragung Ihres Betriebs in die Handwerksrolle ab. Klären Sie das mit Ihrer Handwerkskammer, bevor Sie die Stelle ausschreiben. Unabhängig davon ist ein Meister oder Techniker bei Kunden und Team meist ein Vorteil.

Ja, das ist ein häufiger Weg. Sprechen Sie die Perspektive schon im Vorstellungsgespräch an. Ein Betriebsleiter, der den Betrieb einige Jahre geführt hat, kennt ihn besser als jeder externe Käufer.

Mit echten Befugnissen, einer klaren Perspektive nach dem Verkauf und einem Inhaber, der sich zurückhält. Die meisten Betriebsleiter gehen, weil der Chef sie nicht führen lässt.

Das Gehalt senkt den laufenden Gewinn weniger stark, als es scheint, weil Käufer ohnehin ein Geschäftsführergehalt abziehen. Gleichzeitig hebt ein erprobter Betriebsleiter den Faktor. Im Rechenbeispiel oben steigt der Unternehmenswert dadurch um 280.000 Euro. Rechnen Sie das mit Ihren eigenen Zahlen nach.

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