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An einen Investor verkaufen: Wie Handwerksgruppen kaufen und was das für Sie heißt

Handwerksgruppen, oft von Finanzinvestoren finanziert, kaufen mehrere Betriebe und bauen daraus ein größeres Unternehmen, das sie später weiterverkaufen. Sie zahlen meist einen Teil des Preises sofort und einen Teil als Beteiligung an der Gruppe. Dafür erwarten sie, dass Sie einige Jahre bleiben und eine zweite Führungsebene mitbringen.

Vor zehn Jahren war ein Finanzinvestor für die meisten Handwerksbetriebe weit weg. Heute liegt sein Brief im Briefkasten. Im Heizungs- und Klimagewerbe kaufen Investoren Betriebe auf, bündeln sie zu Gruppen und verkaufen diese Gruppen später weiter. Beim baden-württembergischen Handwerkstag spielt das Thema in der Nachfolgeberatung eine wachsende Rolle, so der Bericht des Nachfolgekontors vom Mai 2026.

Für manchen Inhaber ist das die Lösung, auf die er seit Jahren wartet. Für andere passt es gar nicht. Dieser Artikel hilft Ihnen, das vorher zu erkennen.

Definition

Buy-and-Build bedeutet, dass ein Investor einen Betrieb als Basis kauft und weitere Betriebe hinzukauft, um eine größere Gruppe aufzubauen. Nach einigen Jahren verkauft er die ganze Gruppe weiter. Die gekauften Betriebe heißen im Fachjargon Plattform und Zukäufe.

Wie das Modell funktioniert

Eine Gruppe sucht zuerst einen gut aufgestellten Betrieb mit eigener Führung. Um ihn herum kauft sie kleinere Betriebe aus derselben oder einer benachbarten Branche. Einkauf, Buchhaltung, Personalgewinnung und IT werden zusammengelegt. Die Gruppe wird größer und damit für den nächsten Käufer mehr wert, als die einzelnen Betriebe zusammen waren.

Für Sie als Verkäufer heißt das zweierlei. Die Gruppe zahlt für Ihren Betrieb, weil er ihr Wachstum bringt: Kunden, Fachkräfte, Region. Und sie will, dass Ihr Betrieb nach dem Kauf weiterläuft, meist mit Ihnen für eine Übergangszeit.

Häufig läuft die Ansprache direkt. Die Investoren schreiben Inhaber an oder rufen an. Bezahlt wird oft teils bar und teils als Rückbeteiligung, also als Anteil an der Gruppe.

Wen die Gruppen suchen

Nach dem, was öffentlich in Kaufgesuchen steht, suchen Investorengruppen vor allem inhabergeführte Betriebe aus der technischen Gebäudeausrüstung: Sanitär, Heizung und Klima, Elektro sowie Kälte- und Klimatechnik, jeweils als Nachfolgelösung. Daneben tauchen Bedachung, Gebäudereinigung und IT-Dienstleister auf.

Was ein Betrieb mitbringen sollte, damit eine Gruppe ernsthaft Interesse hat:

MerkmalWarum es der Gruppe wichtig ist
Stabiler Gewinn über mehrere JahreDie Gruppe finanziert Zukäufe mit Krediten und braucht verlässliche Erträge
Wartungs- und ServiceverträgeWiederkehrender Umsatz senkt das Risiko
Eigene zweite FührungsebeneDer Betrieb muss ohne den Inhaber in die Gruppe passen
Fachkräfte mit guter AltersstrukturPersonal ist der eigentliche Engpass der Gruppen
Saubere Zahlen, monatlichDie Gruppe berichtet selbst an ihre Geldgeber

Was für Sie drin ist und was es kostet

VorteileNachteile
Ein Käufer, wenn sonst niemand da istSie verlieren die Kontrolle über wichtige Entscheidungen
Oft zügige AbwicklungBerichtspflichten, Vorgaben der Gruppe, neue Software
Mitarbeiter bekommen Aufstiegschancen in einer größeren GruppeDer Firmenname kann nach einigen Jahren verschwinden
Mit der Rückbeteiligung ein zweiter Erlös beim späteren Verkauf der GruppeDie Rückbeteiligung ist Risikokapital, ihr Wert steht nicht fest
Entlastung bei Verwaltung und EinkaufSie sollen meist zwei bis fünf Jahre bleiben, jetzt als Angestellter

Auch der Handwerkstag mahnt zur Vorsicht. Das Geschäftsmodell mancher Investoren sei sehr eng, etwa auf Photovoltaik beschränkt, und damit anfälliger für Krisen als ein breit aufgestellter Betrieb. Fragen Sie deshalb genau nach, was die Gruppe mit Ihrem Betrieb vorhat.

Rückbeteiligung in einfachen Worten

Sie verkaufen Ihren Betrieb, bekommen aber nur einen Teil des Preises ausgezahlt, zum Beispiel 70 Prozent. Den Rest legen Sie als Anteil in der Gruppe an. Wenn die Gruppe in einigen Jahren teurer weiterverkauft wird, steigt auch der Wert Ihres Anteils. Wenn nicht, sinkt er.

Ein vereinfachtes Beispiel mit angenommenen Zahlen:

Betrag
Vereinbarter Kaufpreis2.000.000 €
Auszahlung beim Verkauf (70 %)1.400.000 €
Rückbeteiligung an der Gruppe (30 %)600.000 €
Wert der Beteiligung bei gutem Weiterverkauf, angenommen doppelt1.200.000 €
Wert der Beteiligung bei schlechtem Verlauf, angenommen halbiert300.000 €

Rechnen Sie mit der Auszahlung als dem Geld, das Ihnen sicher ist. Ihre Altersvorsorge planen Sie mit diesem Betrag. Die Beteiligung ist eine Chance obendrauf. Die Verträge dazu, meist eine Gesellschaftervereinbarung mit Regeln für Ausscheiden und späteren Verkauf, lassen Sie von einem Anwalt mit Erfahrung in solchen Beteiligungen prüfen.

Zehn Fragen, die Sie jeder Gruppe stellen sollten

  1. Wer steht finanziell hinter Ihnen, und wie lange will der Investor investiert bleiben?
  2. Wie viele Betriebe haben Sie schon gekauft, und darf ich mit zwei der Verkäufer sprechen?
  3. Was passiert mit meinem Firmennamen und meinem Standort?
  4. Was ändert sich für meine Mitarbeiter in den ersten zwölf Monaten?
  5. Wie lange soll ich bleiben, in welcher Rolle, mit welchen Befugnissen?
  6. Welcher Anteil des Preises wird sofort bezahlt, welcher als Beteiligung oder später?
  7. Wovon hängt der Wert der Rückbeteiligung ab, und wann kann ich sie verkaufen?
  8. Welche Software, welches Berichtswesen und welche Vorgaben kommen auf uns zu?
  9. Wer entscheidet nach dem Kauf über Preise, Personal und Investitionen?
  10. Was passiert, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert?

Die Antworten auf Frage 2 sind die wertvollsten. Gruppen, die keine früheren Verkäufer nennen wollen, sollten Sie vorsichtig machen.

Warum die zweite Führungsebene hier Pflicht ist

Ein Finanzinvestor bringt Geld und Methode mit. Er führt Ihren Betrieb nicht selbst. Wenn Sie nach der Übergangszeit gehen, muss jemand da sein, der den Laden führt. Ohne zweite Führungsebene sind Sie für die Gruppe entweder uninteressant oder unverzichtbar, und beides schwächt Ihre Position. Wie Sie das vorbereiten, steht unter Inhaberabhängigkeit reduzieren und Stellvertreter aufbauen. Für SHK-Betriebe lohnt der Blick auf SHK-Betrieb verkaufen.

Was Sie für die Zeit nach dem Verkauf schriftlich festlegen sollten, steht unter Ihre Rolle nach dem Firmenverkauf.

Merksatz

Eine Handwerksgruppe kauft Ihren Betrieb, damit er ohne Sie weiterläuft. Je besser er das heute schon kann, desto mehr zahlt sie und desto kürzer müssen Sie bleiben.

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Quellen

  • Nachfolgekontor: Finanzinvestoren im Handwerk, Mai 2026, mit Einschätzung des Baden-Württembergischen Handwerkstags: https://nachfolgekontor.de/finanzinvestoren-im-handwerk-vom-buy-build-zur-strategischen-loesung/
  • Kaufgesuche von Investorengruppen für SHK, Elektro sowie Kälte- und Klimatechnik, concess Unternehmensbörse: https://www.concess.de/unternehmensboerse/kaufgesuche/alle
  • Trustberg: Buy-and-Build-Transaktionen, direkte Ansprache und Rückbeteiligung, August 2026: https://www.trustberg.com/de/post/buy-and-build

Häufige Fragen

Viele Anfragen sind seriös, manche kommen von Vermittlern, die nur Mandate suchen. Prüfen Sie, wer hinter der Gruppe steht, wie viele Betriebe sie schon gekauft hat und ob Sie mit früheren Verkäufern sprechen dürfen. Wie Sie auf eine erste Anfrage reagieren, steht unter Kaufanfrage erhalten.

Sie bekommen nur einen Teil des Kaufpreises ausgezahlt und legen den Rest als Anteil an der Käufergruppe an. Wird die Gruppe später gut verkauft, steigt Ihr Anteil im Wert. Läuft es schlecht, sinkt er. Rechnen Sie nur mit der Auszahlung als sicherem Geld.

Vor allem Betriebe aus Sanitär, Heizung, Klima, Elektro und Kältetechnik, daneben Bedachung und technische Dienstleister. Gefragt sind Betriebe mit stabilem Gewinn, Wartungsgeschäft, eigener Führungsebene und guter Altersstruktur im Team.

Meist ja, oft zwei bis fünf Jahre. Die Gruppe will, dass der Übergang sicher gelingt. Je weniger Ihr Betrieb an Ihnen hängt, desto kürzer kann diese Zeit ausfallen. Verhandeln Sie Dauer und Rolle vor der Unterschrift.

In der Regel bleiben die Arbeitsplätze, denn die Gruppe kauft vor allem wegen der Fachkräfte. Es ändern sich aber Abläufe, Software und oft auch Ansprechpartner. Fragen Sie konkret, was sich in den ersten zwölf Monaten ändert, und lassen Sie sich das beschreiben.

Manchmal. Für Betriebe, die gut in die Gruppe passen, zahlen Gruppen teils mehr, weil sie Einsparungen im Verbund einrechnen. Vergleichen Sie deshalb immer die sichere Auszahlung der Angebote.

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