Vier Verfahren und wann sie greifen
| Verfahren | Typischer Einsatz | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Multiplikatorverfahren | Standard bei KMU-Transaktionen | Bereinigtes EBITDA mal Branchenfaktor. Schnell, marktnah und für Käufer nachvollziehbar. Setzt voraus, dass ein belastbares Ergebnis vorliegt. |
| Ertragswertverfahren | Bei Streitfällen und Gutachten | Abzinsung künftiger Überschüsse mit einem risikoangepassten Zinssatz. Genauer, aber abhängig von Prognosen, über die sich trefflich streiten lässt. |
| Substanzwertverfahren | Bei negativem Ertrag | Bewertung der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden. Bildet die Untergrenze und ist meist der Maßstab, wenn der Betrieb keinen übertragbaren Ertrag erwirtschaftet. |
| Vereinfachtes Ertragswertverfahren | Für steuerliche Zwecke | Nach Bewertungsgesetz für Erbschaft und Schenkung. Führt regelmäßig zu Werten, die vom erzielbaren Marktpreis abweichen. |
Die Bereinigung entscheidet über die Zahl
Der häufigste Fehler bei der Selbstbewertung ist der Vergleich des unbereinigten Ergebnisses mit einem Branchenfaktor. Vom Ergebnis vor Steuern wird ein marktüblicher Unternehmerlohn abgezogen, danach werden die Abschreibungen hinzugerechnet. Erst diese Größe, das bereinigte EBITDA, ist mit den veröffentlichten Multiples vergleichbar. Hinzu kommen Korrekturposten: private Anteile in den Betriebskosten, überhöhte oder zu niedrige Mieten an den Inhaber, einmalige Erträge und Aufwendungen.
Beispiel: Dienstleister mit 3,2 Mio. Euro Umsatz
Ergebnis vor Steuern 420.000 Euro, Unternehmerlohn 150.000 Euro, Abschreibungen 70.000 Euro. Das bereinigte EBITDA beträgt 340.000 Euro. Bei einem Korridor von 5,0 bis 7,0 und einer soliden, aber inhabernahen Struktur ergibt sich ein Faktor um 5,6 und damit ein Unternehmenswert von rund 1,9 Mio. Euro. Verzinsliche Verbindlichkeiten von 400.000 Euro sind davon abzuziehen, um den Zufluss vor Steuern abzuschätzen.
Beispielhafte Modellrechnung zur Veranschaulichung des Verfahrens.
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Zur BetriebsanalyseHäufige Fragen
Welches Bewertungsverfahren ist für KMU üblich?
In der Praxis dominiert das Multiplikatorverfahren auf Basis des bereinigten EBITDA. Es bildet ab, was Käufer tatsächlich zahlen. Ertrags- und Substanzwertverfahren dienen der Kontrolle oder kommen bei Sonderfällen zum Einsatz.
Was bedeutet Bereinigung um den Unternehmerlohn?
Viele Inhaber entnehmen weniger oder mehr, als eine angestellte Geschäftsführung kosten würde. Für die Bewertung wird ein marktüblicher Lohn angesetzt. Nur der Ertrag, der danach übrig bleibt, ist auf einen Käufer übertragbar.
Wie hoch ist ein realistischer EBITDA-Multiple für ein KMU?
Je nach Branche und Größenklasse meist zwischen 3 und 8. Kleine Betriebe liegen am unteren Rand, weil die Abhängigkeit vom Inhaber höher und der Käuferkreis kleiner ist. Software und Medizintechnik erreichen deutlich höhere Faktoren als Handel oder Gastronomie.
Warum sinkt der Wert bei hoher Kundenkonzentration?
Wenn ein Kunde mehr als ein Viertel des Umsatzes trägt, kauft der Erwerber ein Klumpenrisiko mit. Das schlägt sich in einem niedrigeren Faktor nieder oder wird über einen ergebnisabhängigen Kaufpreisteil abgesichert.
Ist eine Online-Berechnung eine Unternehmensbewertung?
Nein. Eine Online-Berechnung liefert eine Einordnung auf Basis von Branchenmultiplikatoren. Eine Bewertung nach IDW S1 ist ein Gutachten mit Datenprüfung und Planungsrechnung. Für die Entscheidung, ob und wann Sie verkaufen, reicht die Einordnung meist aus.